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Escapardenne Lee Trail 1. Etappe

Predigtstuhl und Gringlee

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Bereits im letzten Jahr durfte ich beim Wandern auf dem Mullerthal Trail die Schönheit von Luxemburg entdecken. Bei meinem Besuch auf der Tourismus-Messe CMT in Stuttgart am Anfang des Jahres besuchte ich auch den luxemburgischen Stand und stieß auf die beiden Wanderwege Escapardenne Lee Trail und Escapardenne Eislek Trail. Die Beschreibung und die Bilder ließen mich nicht mehr los. Mitte Juni hatte ich dann eine Woche Urlaub und beschloss, erneut in das kleine Land zu fahren und den kürzeren der beiden Strecken – den drei Etappen umfassenden Lee Trail – zu erwandern.

Planung und Unterkunft

Doch vor dem Erlebnis stand einige Überlegungen an:

  • Auf der Wanderung sind auf 53 Kilometern Länge etwa 2000 Höhenmeter zu überwinden. Ich entschied mich dazu, die Etappen mit Tagesrucksack zu laufen.
  • Als „Basislager” wählte ich Ettelbrück, die Stadt bietet einen schönen Campingplatz (und ich zelte doch sehr gerne).
  • Es gibt vom (Bus-)Bahnhof regelmäßige Verbindungen in alle Richtungen, so auch zu den Etappenein- und ausstiegspunkten. Ein Tagesticket für die Busse und Bahnen innerhalb von Luxemburg kostet nur 4 €, ein 2-Stunden-Ticket 2 €.

Ich hielt mich dabei an die vorgeschlagene Etappeneinteilungen des örtlichen Tourismusbüros.

Mit dem Regionalexpress von Mannheim aus erreichte ich Ettelbrück mit zweimal Umsteigen (Trier und Luxemburg-Stadt). Ich nutze für die Fahrt das Rheinland-Pfalz-Ticket, das es auch mit einer zusätzlichen Variante inklusive Luxemburg am Automaten der Deutschen Bahn als auch der Luxemburger Bahngesellschaft CFL zu 30 € für eine Person angeboten wird.

Vor der Tour hatte ich mich über den Weg im Wanderführer des Conrad-Stein-Verlags kundig gemacht, während der Etappen habe ich allerdings selten hineingeschaut.

Woher hat der Lee Trail seinen Namen?

Im Lëtzeburgischen (wie die luxemburgische Nationalsprache genannt wird) bezeichnet Lee einen felsigen Bergkamm. Im rheinischen Sprachgebrauch ist auch die Silbe -ley bzw. -lay für Fels oder Klippe gebräuchlich, wie z. B. bei der Loreley. Die Sauer hat sich im Laufe der Jahrtausende tief und mit vielen Mäandern in das Gelände eingegraben und dabei die heutige Landschaft entscheidend geformt: An der Innenseite einer Kurve, dem Gleithang, wurde Material aufgrund der geringeren Strömung abgelagert, dieses Schwemmland ist flach und fruchtbar. Die gegenüberliegende Außenseite, der Prallhang, ist der Wucht des Wasser ausgesetzt. Dort ragt eine steile Felswand empor, die mit einem scharfen Kamm endet. Der Escapardenne Lee Trail führt über diese Bergkämme in den Luxemburger Ardennen.

Die erste Etappe: Zunächst angenehm, später fordernd

Kurz vor acht Uhr an einem Werktag am Bahnhof in Ettelbrück: Geschäftiges Treiben, Busse kamen im Minutentakt an und entließen ihre Passagiere. Am Bahnhof befindet sich eine Wandertafel mit Informationen zum Escarpadenne Lee Trail: u. a. erwarteten mich 32 Aussichtspunkte – ich war gespannt. Das Wegzeichen des Wanderwegs, die weiße Welle auf blauem Grund wies mir den Weg zunächst an den Gleisen entlang nach Norden.

Am General-Patton-Memorial
Am General-Patton-Memorial
Der erste Anstieg stand bevor
Der erste Anstieg stand bevor
Kühe auf der Weide
Kühe auf der Weide

General-Patton-Memorial

Bereits wenige Minuten später gelangte ich zum General-Patton-Memorial, nicht oft sieht man einen richtigen Panzer in der Gegend herumstehen. Das Denkmal wurde errichtet im Gedenken an die Befreiung von Ettelbrück im Dezember 1944.

Nun stand auch der erste Anstieg bevor: kurz und knackig ging es steil aufwärts, doch dann führte mich der Lee Trail eher eben an einer Kuhweide vorbei in den Wald hinein. Allmählich wurden die Zivilisationsgeräusche leiser und der mehrstimmige Vogelgesang gewann die Oberhand. Die Bäume gaben schließlich den Blick in das Sauertal und hinab nach Erpeldingen frei.

Blüte
Blüte
Roter Fingerhut
Roter Fingerhut
Blick von der Hungerlee auf Erpeldingen
Blick von der Hungerlee auf Erpeldingen

Es dauerte nicht lange und ich erreichte den Ort, die erste Lee war somit bezwungen. Er ist landwirtschaftlich geprägt und auch ein Hahn tat lautstark seine Meinung kund, als ich durch die Straßen lief. An der alten Mühle verließ ich wieder den Ort, die einstige Wassermühle hatte auch schon bessere Zeiten gesehen.

An der Sauer bei Erpeldingen
An der Sauer bei Erpeldingen
Alte Mühle in Erpeldingen
Alte Mühle in Erpeldingen
Biene auf Brombeerblüte
Biene auf Brombeerblüte

Beim folgenden Anstieg würde es wieder ruhig um mich herum, am Wegrand blühten die Brombeeren, einige Bienen sammelten fleißig ihren Nektar ein. Ich wanderte nun längere Zeit größtenteils auf Schotterwegen durch den unspektakulären Wald. Doch die Zivilisation war bald wieder in der Nähe: Auf einer Anhöhe begrüßten mich die Geräusche der nahen Straße.

Bachlauf
Bachlauf
Wanderpfad
Wanderpfad
Wegweiser zum Predigtstuhl
Wegweiser zum Predigtstuhl

Der Predigtstuhl und wie er zu seinem Namen kam

Ich folgte weiter einem Schotterweg, doch dann führte mich ein Pfad in Kehren kräftig bergauf – irgendwie müsste ich ja auf die vielen angekündigten Höhenmeter kommen. Oben angekommen ging es auch sogleich wieder bergab, und das kräftig. Ich war froh, meine Stöcke dabeizuhaben. Kurz darauf gelangte ich zum Predigtstuhl, einem Felsen oberhalb des Sauertals, und wurde ich mit einer herrlichen Aussicht auf die Flussschleife belohnt. Hier war bereits etwas mehr als die Hälfte der Strecke geschafft und ich gönnte mir die erste große Pause des Tages.

Blick vom Predigtstuhl in das Sauertal
Blick vom Predigtstuhl in das Sauertal
Aussicht bei Closdelt in das Sauertal
Aussicht bei Closdelt in das Sauertal, der felsige Prallhang ist gut zu erkennen
Klatschmohn und Kornblumen
Klatschmohn und Kornblumen

Doch nach dem Abstieg war vor dem Aufstieg, denn der Weg zum Predigtstuhl ist nur eine Schleife. Stramm wanderte ich bergauf. Auf der Höhe ging es dann wieder gemütlich an Feldern und Wiesen vorbei nach Closdelt.

Biene auf Kornblume
Biene auf Kornblume
Wanderweg
Da geht's lang
Wegkreuz
Wegkreuz

Der Escapardenne Lee Trail führte ein Stück an der dreispurigen Nationalstraße entlang, doch bereits wenige Minuten später bog er ab. Mein Blick schweifte über die Felder und hinab ins Sauertal. Gut zu erkennen war auch die Felswand eines Prallhangs. Bei einem erneuten Abstieg ragten Brombeerranken auf den Pfad. Vor allem begeisterte mich eine Lichtung mit einer großen Anzahl an Roten Fingerhüten. Um mich herum summte und zwitscherte es – Entschuldigung pur.

Blick auf Burscheid und Burg Burscheid
Blick auf Burscheid und Burg Burscheid
Wegweiser in Michelau
Wegweiser in Michelau
Blick auf Burg Burscheid
Blick auf Burg Burscheid

Ich kam aus dem Wald heraus und blickte über das Tal nach Burscheid und der gleichnamigen Burg. Obwohl der Himmel den ganzen Tag wolkenverhangen war – nun kam ein Sonnenstrahl durch die Wolken und tauchte den Ort und die Burg in helles Licht. Eine Bank stand hier, ein toller Platz für eine Rast.

Blume am Wegrand
Blume am Wegrand
Wanderweg
Wanderweg
Auf dem Weg zur Gringlee
Auf dem Weg zur Gringlee

Herrliche Aussicht von der Gringlee

Der Weg leitete mich hinab nach Michelau. Als ich durch den Ort lief, quietsche es hinter mir auf einmal erbärmlich: Ein Esel tat seine Meinung kund. Entlang der Hauptstraße blickte ich hinauf zur Burg. Die letzte Steigung des ersten Tages auf einem herrlichen Pfad galt es nun noch zu überwinden – und diese hatte es in sich. Es ging ein Stück auf der Anhöhe entlang zur Gringlee. Weit blickte ich über die Schleife der Sauer, auf einem Berggrat sah ich erneut die Burg Burscheid. Ein toller Abschluss der ersten Etappe, ich hatte noch Zeit bis der Bus fuhr, so dass ich die Aussicht längere Zeit genoss.

Blick von der Gringlee auf die Sauerschleife bei Burscheidermühle
Blick von der Gringlee auf die Sauerschleife bei Burscheidermühle
Aussichtspunkt an der Gringlee
Aussichtspunkt an der Gringlee
Nach steilem Abstieg ist das Ende der ersten Etappe erreicht
Nach steilem Abstieg ist das Ende der ersten Etappe erreicht

Doch letztendlich machte ich mich an den steilen Abstieg: 240 Höhenmeter auf 900 Metern Strecke. Im Tal war es dann nur noch ein Katzensprung zur Bushaltestelle, in 18 Minuten Fahrt gelangte ich wieder zurück nach Ettelbrück. Zu Fuß hatte ich zuvor knapp sieben Stunden benötigt.

Karte

Länge: 18,2 km, Anstieg: 715 m, Abstieg: 675 m

Karte