Du bist hier:

Wandern und mehr / Mehrtagestouren / Höga Kustenleden / Valkallen und Rödhällorna

Höga Kustenleden: Hornöberget nach Älgaberget

Valkallen und Rödhällorna

von

Sonntag abends, kurz nach 20 Uhr stieg ich in Mannheim in den Zug, mit mehrmaligem Umsteigen kam ich am Dienstag morgen bei Sonnenaufgang in Härnösand im nördlichen Schweden an. Doch eine weitere Busfahrt stand mir noch bevor: zum Einstiegspunkt des Höga Kustenleden am Hornöberget. Mit etwas Verspätung kam kurz nach sechs Uhr der Bus. Als des Schwedischen nicht mächtig sprach ich das Ziel so aus, wie es geschrieben wurde, doch die Busfahrerin verstand mich nicht. Also zeigte ich kurzerhand das geschriebene Wort und lernte daraufhin auch gleich, wie man es korrekt ausspricht, in etwa so: „Ernöbajett”. Dafür würde ich kostenlos befördert, da die Fahrwegsberechnung wohl klemmte und sparte mir so die 47 Kronen.

Kleine Runde auf den Hornöberget

Nach 23 Minuten Fahrzeit erreichte ich mein Fahrtziel. Von der Bushaltestelle an der E4 dauerte es nur wenige Minuten bis zum Einstiegspunkt am Höga-Kusten-Hotel. Von einem Aussichtspunkt sah ich die Högakustenbron: Majestätisch erheben sich die beiden Pfeiler der längsten Hängeseilbrücke Schwedens in die Höhe, die den Ångermanälven überspannt. Doch bevor es auf den Wanderweg ging, absolvierte ich noch eine kleine Runde auf den Berg selbst – eigentlich getrieben von einen Geocache entdeckte ich auf dem Plateau zwei ehemalige Luftabwehrstellungen, von denen noch die Fundamente und eine etwa einen Meter tiefe Grube vorhanden sind. Auch sah ich vom Plateau des Berges bereits mein Tagesziel, den Berg Valkallen.

Blick auf die Högakustenbron
Blick auf die Högakustenbron
Reste einer einstigen Luftabwehrstellung
Reste einer einstigen Luftabwehrstellung
Start des Höga Kustenleden
In direkter Nähe zum Hotell Höga Kusten beginnt der Höga Kustenleden

Gegen acht Uhr war ich wieder am Hotel, die Infotafel zum Höga Kustenleden enthielt die Information, dass aufgrund der akuten Waldbrandgefahr offenes Feuer (und damit der Einsatz meines Benzinkochers) nicht gestattet ist. Nun, so blieb die Küche am Abend eben kalt. Ich füllte noch meine Wasservorräte auf und dann begann das Abenteuer.

1. Etappe: Von Hornöberget auf den Valkallen

Der Höga Kustenleden ist mit orangefarbenen Markierungen versehen, an Abzweigungen befinden sich auch blaue Wegweiser. Zunächst leitete mich der Weg unter der Högakustenbron hindurch und auf einem Pfad durch Wald. Herrlich, so in der Natur unterwegs zu sein. Es dauerte nicht lange und ich gelangte zum pittoresken Hafen von Hornön. Doch dann begann die Asphaltstrecke auf etwa 2,5 km. Erst nach dem Überqueren einer Brücke mit Blick auf die Inseln und Schären der Middagsholmarna wanderte ich zunächst auf Schotter und schließlich einen herrlichen Trail im Wald hinauf.

Hafen von Hornön
Hafen von Hornön
Straße bei Hornön
Wandern entlang der Straße bei Hornön
Middagsholmarna
Middagsholmarna

Zwischendurch fand ich auch eine kleine Rastmöglichkeit. Ich versuchte, nach einer Stunde Gehzeit zumindest eine kleine Pause zu machen und dabei den schweren Rucksack abzusetzen. Wieder unterwegs sah ich auch die Auswirkungen der vergangenen trockenen Monate: Die Moose auf den Felsen waren trocken wie Zunder und die Stege zeigten Feuchtgebiete an – die allerdings alle trockengelegt waren.

In Kilometerabstand standen Pfosten, die die bereits gelaufenen Kilometer anzeigen (und in der Gegenrichtung die noch zu laufende Strecke). Der Verkehrslärm wurde immer leiser und verstummte schließlich. Ich genoss die Ruhe: Ein Vogel zwitscherte und der Wind strich durch die Blätter der umstehenden Birken. Durch die Bäume blickte ich hinab aufs Wasser. Ich bin angekommen, Urlaub, Freiheit, Abenteuer.

Küste bei Svartnoranäset
Küste bei Svartnoranäset
Holzstege bei der Querung eines Feuchtgebiets
Holzstege bei der Querung eines Feuchtgebiets
Wanderweg im Wald
Wanderweg im Wald

Ein steiniger und fordernder Pfad leitete mich hinab und am Skärsättviken gelangte ich an das Ufer. Ein nettes Plätzchen am Strand bot sich zur Pause an, denn es war bereits erneut eine Stunde vorbei. Ich blickte über den Norafjärden und gab mich der Ruhe hin, schön war es hier.

Beim Aufsetzen des Rucksacks lernte ich eine Lektion: Wenn man nicht auf dem Gurt steht, lässt sich der Rucksack leichter aufsetzen. Ich verließ den Wald und wanderte durch hohes Gras. Bei Öregrund tat mir ein Schild kund, dass hier die Möglichkeit besteht, Wasser aufzufüllen („Vatten”) – ich war jedoch noch gut versorgt.

Kilometerpfosten
Kilometerpfosten geben die bereits erwanderte Strecke an
Blick auf Nästorpet
Blick auf Nästorpet
Mit Flechten und Moosen überwucherter Felsen
Mit Flechten und Moosen überwucherter Felsen
Rast am Skärsättviken
Rast am Skärsättviken
Wandern über Felsen oberhalb des Skärsättviken
Wandern über Felsen oberhalb des Skärsättviken
Wasserauffüllmöglichkeit bei Öregrund
Wasserauffüllmöglichkeit bei Öregrund

Ein anstrengender Anstieg stand mir nun bevor, auf einem schönen Pfad erreichte ich das Plateau des Kulberget. Große Granitfindlinge, über und über mit Moos bewachsen und einst beim Rückzug der mächtigen Gletscher hinterlassen, lagen auf dem Bergplateau. Ich erreichte einen Unterstand, im hinteren Bereich befindet sich eine abgetrennte Schlaffläche. Und das besondere an dem Ort ist: eine hölzerne Aussichtsplattform mit einem tollen Blick über den Storfjärden, dem Aussehen des Holzes nach erst neu errichtet. In der Hütte befand sich auch ein Gästebuch, Ehrensache, dass ich mich hier eingetragen habe.

Wanderweg mit der orangefarbenen Markierung
Wanderweg mit der orangefarbenen Markierung
Unterstand am Kulberget
Unterstand am Kulberget
Aussichtsplattform am Kulberget
Aussichtsplattform am Kulberget

Nach einer längeren Rast leitete mich der Höga Kustenleden hinab nach Sör-Lovvik. Vor mir ragte der Valkallen auf, das Ziel der ersten Etappe und von meinem Standpunkt aus ganz schön hoch. Es stand nun zuerst ein Stück Straße an, bevor es in den Wald ging. An einer Abzweigung verließ ich den Höga Kustenleden und folgte dem mit einem blauen Punkt markierten Pfad aufwärts. Und der Aufstieg hatte es in sich, Seile und eine Treppe sollten den Anstieg vereinfachen, mit meinen Stöcken fand ich die Seile aber eher hinderlich.

Unterwegs hielt ich immer wieder an, einerseits um mir eine Pause zu gönnen (der Rucksack war doch recht schwer), andererseits um die Aussicht zu genießen. Zum Schluss stand ich erneut vor eine Treppe, von der ersten Stufe aus war bereits die wehende schwedische Fahne auf dem Gipfel zu sehen. Das setzte Reserven frei, die Hütte war am oberen Ende der Treppe bereits sichtbar. Ziemlich platt (die letzten zwei Nächte der Hinfahrt mit wenig Schlaf machten sich bemerkbar) kam ich nach etwa 5½ Stunden an der Hütte an, die meine erste Unterkunft auf dem Trail wurde.

Aussicht vom Kulberget auf den Storfjärden
Aussicht vom Kulberget auf den Storfjärden
Wegweiser zwischen Lövik und Valkallen
Wegweiser zwischen Lövik und Valkallen
Eine Treppe unterstützt beim steilen Aufstieg auf den Valkallen
Eine Treppe unterstützt beim steilen Aufstieg auf den Valkallen
Hütte auf dem Valkallen
Wunderschön gelegene Hütte auf dem Valkallen
Blick vom Valkallen auf den Storfjärden
Blick vom Valkallen auf den Storfjärden
Sonnenuntergang am Valkallen
Sonnenuntergang am Valkallen

Nun stand der erholsame Teil an: die Aussicht genießen, ein Buch lesen und die vielen Leute beobachten, die hier oben immer wieder ankamen. Auch Elisabeth aus Hamburg erreichte die Hütte, wir kamen ins Gespräch, sie absolvierte den Höga Kustenleden in umgekehrter Richtung und übernachtete auf der Hütte. Dabei bekam ich noch den einen oder anderen Tipp für unterwegs. Am Abend kam noch ein in Schweden wohnender Engländer vorbei, der den Trail in vier Tagen absolvieren wollte, er machte sich nach einer Pause wieder auf den Weg. Mit einem tollen (und wie in den nördlichen Breiten üblich, langanhaltenden) Sonnenuntergang endete dann der erste Wandertag. Geschafft, aber glücklich, schlief ich in meinem Schlafsack ein.

2. Etappe: Vom Valkallen nach Hörsång

Am Morgen würde ich durch die Sonne geweckt, die durch das Fenster in die Hütte hineinschien. Doch auf einmal wurde es wieder dunkler. Da ich nun eh aufstehen wollte, ging ich vor die Tür: Nebel war aufgekommen und verschluckte Teile der Landschaft. Nach dem Frühstück und dem Packen des Rucksacks blickte ich ein letztes Mal nach Westen zur Högakustenbron, just kam die Sonne dort heraus und tauchte die Brücke in helles Licht.

Morgendlicher Blick vom Valkallen auf den Storfjärden
Morgendlicher Blick vom Valkallen auf den Storfjärden
Högakustenbron
Högakustenbron
Blick auf den Storfjärden
Blick auf den Storfjärden

Nachdem ich mich von Elisabeth verabschiedet hatte, hieß nun die Devise: Erst einmal abwärts. Der Waldboden federte leicht unter meinen Schritten. Trotz der frühen Uhrzeit war es schon ziemlich schwül und die Sonne brannte herab. Ein leichter Wind kam auf – oder war ich vorher einfach nur im Windschatten des Berges und trat nun aus ihm heraus?

Abstieg vom Valkallen
Abstieg vom Valkallen
Abstieg vom Valkallen
Abstieg vom Valkallen
Blüte am Wegrand
Blüte am Wegrand

Im Tal angekommen führte mich der Pfad durch ein Feuchtgebiet, erkennbar an dem Holz, das über dem Weg lag. Denn ich bekam von Nässe wenig mit, nur einmal war ein kleiner Graben mit Wasser gefüllt. Ich gelangte wieder auf den Höga Kustenleden, den ich am Vortag für den Abstecher auf den Valkallen verlassen hatte. Es dauerte nun nicht mehr lange und ich erreichte den Halsviken. Etwas abseits befindet sich ein Unterstand, der zwar keine Liegefläche wie am Kulberget aufwies, dafür gab es in direkter Nähe Zeltmöglichkeiten.

Wanderweg im Tal
Wanderweg im Tal
Unterstand am Halsviken
Unterstand am Halsviken
Pause am Halsviken
Pause am Halsviken

Nach einer Pause am Strand erreichte ich die Siedlung bei Norrskatan, nicht weit entfernt befand sich ein Meer aus Steinen: Abgerundet lagen diese neben- und übereinander, vermutlich aus der Zeit, als das Land noch tiefer lag und sich hier die Uferlinie befand. Und über diese Steine ging es nun, der schönste Streckenabschnitt der Etappe stand nun an. Das Gelände würde anspruchsvoller und über Felsen leitete mich der Höga Kustenleden an der Küste entlang. Teils müsste ich Felsstufen überwinden, kein leichtes Unterfangen mit einem schweren Rucksack auf dem Rücken. Eine Wolkenbank schob sich vor die Sonne – dafür war ich dankbar, war es dadurch nicht ganz so drückend.

Felsen und Wald
Felsen und Wald
Ehemalige Küste bei Norrskatan
Ehemalige Küste bei Norrskatan
Wanderweg bei Norrskatan
Wanderweg bei Norrskatan

Schließlich führte mich der Weg wieder in den Wald hinein. Am Wegrand könnte ich meine ersehnten Blaubeeren abpflücken – bisher kam ich bereits an den Pflanzen vorbei, allerdings ohne Beeren. An der schön gelegenen Schutzhütte Norrvarp stand eine weitere Pause an. Der Platz wäre auch eine tolle Übernachtungsmöglichkeiten gewesen, Zelten ist hier möglich und auch an einen Wasseranschluss in Form eines Baches wurde gedacht. Doch ich wollte ja noch weiter.

Wanderweg am Grönsviksfjärden
Wandern über Felsen am Grönsviksfjärden
Am Grönsviksfjärden
Am Grönsviksfjärden
Am Grönsviksfjärden
Am Grönsviksfjärden
Leckere Blaubeeren am Wegrand
Leckere Blaubeeren am Wegrand
Orangefarbene Markierungen zeigen den Weg an
Orangefarbene Markierungen zeigen den Weg über die Felsen an
Wanderweg am Grönsviksfjärden
Wanderweg am Grönsviksfjärden

Und ich wurde mit einem herrlichen Weg belohnt, erneut ging es über Felsen und ich hatte immer das Meeresrauschen an meiner Seite. Die Abzweigung zur Rödhällorna war schließlich erreicht: Den Rucksack an den Felsen abgestellt konnte ich locker-flockig über die Felsen klettern und die verschiedenen Farben und Formen bewundern der Steine. Ich ließ mir den Wind um die Nase wehen und schaute der Brandung zu, die Gischt spritzte die Felsen hoch. Zeit für die Mittagspause. Für etwa sieben Kilometer war ich bereits knapp vier Stunden unterwegs.

Blick zur Rödhällorna
Blick zur Rödhällorna
Rote Felsen an der Rödhällorna
Rote Felsen an der Rödhällorna
Gemaserter Felsbrocken
Gemaserter Felsbrocken
Rödhällorna
Rödhällorna
Rödhällorna
Rödhällorna
Kleines Bäumchen zwischen Felsen
Kleines Bäumchen zwischen Felsen

Wieder auf dem Weg lief ich durch einen Wald hinauf. Das Rauschen der Brandung wurde leiser und der charakteristische Duft der Kiefern begleitete mich. Bald erreichte ich einen Parkplatz, der folgende Schotterweg und die Straße ließen mich gut vorankommen. Doch es dauerte nicht lange und ein Weg leitete mich oberhalb des Fjärdbotten entlang. Ein Abstecher brachte mich zu einem Aussichtspunkt, von dem ich weit über das Wasser blicken konnte.

Blick auf den Fjärdbotten
Blick auf den Fjärdbotten
Am Fjärdbotten zeigen Karten die beiden Wanderabschnitte an
Am Fjärdbotten zeigen Karten die beiden Wanderabschnitte an
Zeltplatz auf Hörsångs Camping
Zeltplatz auf Hörsångs Camping

Erneut auf dem Weg ließ ich die Abzweigung zu den Fjärdbotten-Hütten links liegen, hier ist auch das Ende des zweiten offiziellen Abschnitts erreicht. Doch es zog mich weiter: Mich erwartete ein schweißtreibenden Anstieg, der dann auf einem tollen Pfad durch den schwedischen „Urwald” führte und auch ein kleiner See lag hier. Als dieser endete verließ ich den Höga Kustenleden und erreichte nach einigen Minuten das Hålsängs Havsbad. Für die elf Kilometer hatte ich 5½ Stunden benötigt.

Nun konnte ich das erste Mal das Zelt auspacken, durch den inzwischen aufgekommen kräftigen Wind dauerte das doch etwas. Und dann passierte es: Eine Wespe stach mich in den rechten Knöchel. „Toll”, dachte ich bei mir, jetzt wird der Fuß dick und die Tour ist vorbei. Aber so schlimm wurde es dann doch nicht, ein Tag war der Stich noch etwas schmerzhaft, doch dann war alles wieder in Ordnung (so dachte ich, doch dazu später mehr).

Der Campingplatz liegt direkt am Strand und ich nahm die Gelegenheit wahr, mich in die Fluten zu stürzen. Die Luft- und Wassertemperaturen waren angenehm – habe ich bereits erwähnt, dass Urlaub schön ist?

3. Etappe: Von Hörsång auf den Älgaberget

Bereits am Abend zuvor prasselte ein Regenschauer herab, die Nacht hindurch regnete es immer wieder. Am Morgen jedoch lockerte es auf und so konnte die dritte Etappe trocken beginnen. Am Ende des Abschnitts war eine Übernachtung in einer Hütte ohne Wasser eingeplant, so dass ich mich auch gleich mit fünf Litern der kostbaren Flüssigkeit versorgte – unterwegs war auch keine Möglichkeit zum Auffüllen gegeben, wie ich meinte.

Häuser am Campingplatz
Häuser am Campingplatz in der Morgensonne
Nasser Wanderpfad nach dem nächtlichen Regen
Nasser Wanderpfad nach dem nächtlichen Regen
Wanderweg auf den gerundeten Steinen der ehemaligen Küste
Wanderweg auf den gerundeten Steinen der ehemaligen Küste

Zunächst wanderte ich zum gestrigen Ausstiegspunkt zurück und folgte dem Höga Kustenleden einige Zeit auf einem Schotterweg entlang. Ein demolierter Wohnwagen mit eingedrücktem Dach, vermutlich Opfer eines instabilen Baumes, stand am Wegrand. Schließlich begann ein herrlicher Pfad, der mich stetig aufwärts führte. Es war still im Wald, nur ab und zu drang das Summen eines Insekts oder die Schreie eines Vogels in der Ferne an mein Ohr. Das Gestrüpp zu beiden Seiten des Trails ließ meine Hosenbeine schnell durchnässen und auch der Kopf blieb nicht verschont, da niedrige Äste immer wieder auf den Pfad hingen. Dafür naschte ich zusätzliche Vitamine in Form von Blaubeeren.

Der Weg wurde zunehmend anspruchsvoller: Viele Felsen, teils durch die Nässe rutschig, lagen auf dem Weg. Meter um Meter ging es bergan, doch ich würde für die Mühen belohnt: Vom Jon-Nils-Berget könnte ich über die Buchten der Umgebung blicken. Noch einen Kilometer bis zu Nipstugan zeigte mir der Wegweiser an. Von einem weiteren Aussichtspunkt hatte ich einen weiteren tollen Blick auf das Meer. Doch der Pfad hörte auf, hatte ich eventuell eine Abzweigung verpasst? Ein Blick auf das GPS-Gerät bestätigte: Also wieder ein Stück zurück, das kommt davon, wenn man vor sich hinträumt.

Dunstige Aussicht vom Jon-Nils-Berget auf den Grönsviksfjärden
Dunstige Aussicht vom Jon-Nils-Berget auf den Grönsviksfjärden
Nipstugan
Nipstugan
Blick von der Nipstugan auf den Gaviksfjärden
Blick von der Nipstugan auf den Gaviksfjärden

Inzwischen war es schon wieder schwül geworden, die Tropfen von den Ästen, die mein Kopf streifte, gaben eine willkommene Erfrischung. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichte ich die Hütte, ein Kilometer kann ganz schön lang sein. Zwei Stunden war ich nun bereits unterwegs, fünf Kilometer zeigte das GPS-Gerät an. Die Hütte ist schön gelegen, die Tür quietsche erbärmlich als ich sie öffnete. Und auch einen Geocache in der Nähe verachtete ich nicht.

Dann stand der Abstieg an, teils auf nacktem Fels. Einmal kam ich ins Rutschen, doch mit den Stöcken könnte ich mich gerade noch halten. Im Tal erreichte ich Lidebro, eine kleine Siedlung. Nun schloss sich eine Asphaltstraße und ein längeres Stück Schotterstraße an. Ich passierte dabei die eine oder andere Siedlung, Schafe grasten auf Weiden. Immer wieder hielt ich Ausschau nach einer Rastmöglichkeit, war ich doch nun wieder längere Zeit unterwegs, doch Fehlanzeige. Schließlich erreichte ich eine kleine Sandbucht, ein weiterer Wanderer packte gerade sein Zelt ein – ein schöner Ort für eine Übernachtung. Bei mir hatte es nur für die ersehnte Pause gereicht, ich wollte ja noch weiter.

Schafherde bei Allsta
Schafherde bei Allsta
Schotterweg nach Allsta
Schotterweg nach Allsta
Junges Rind am Östersundet
Junges Rind am Östersundet

Wieder unterwegs lief mein Schatten vor mir her, mit dem Rucksack sahen seine Körperkonturen aber sehr unvorteilhaft aus. Es dauerte nicht lange bis Gavik, eine Siedlung mit verstreuten Häusern. Vor einem Haus stand eine Familie und wir kamen ins Gespräch, sie boten mir auch Wasser an. Doch ich lehnte dankend ab, ich war noch gut versorgt. Es schloss sich wieder ein herrlicher Pfad entlang der Küstenlinie des Gaviksfjärden an, das Rauschen der Wellen begleitete mich erneut.

Schatten eines vollbepackten Wanderers
Schatten eines vollbepackten Wanderers
Am Gaviken
Am Gaviken
Briefkästen in Gavik
Briefkästen in Gavik
Nach Schotter kommt ein Pfad
Nach Schotter kommt ein Pfad
Am Svartviken
Am Svartviken
Blick von der Schutzhütte auf dem Älgaberget auf den Gaviksfjärden
Blick von der Schutzhütte auf dem Älgaberget auf den Gaviksfjärden

Am Svartviken legte ich eine kleine Pause ein – der letzte Anstieg auf den Älgaberget stand mir noch bevor. An der dortigen Schutzhütte angekommen wurde ich mit einem traumhaften Blick auf den Gaviksfjärden belohnt – meine Bleibe für die heutige Nacht hatte ich gut ausgesucht, denn nicht nur die Aussicht war grandios, auch die Unterkunft gefiel mir doch sehr. Erneut benötigte ich 5½ Stunden für die Teilstrecke. Der gemütliche Teil stand nun an: Lesen und die Aussicht genießen. Noch wehte ein kräftiger Wind, doch am Abend ließ er nach und es wurde ruhig. Das Rauschen der Wellen am unter mir liegenden Ufer war zu hören, in der Ferne ertönten die Rufe eines Raben. Das Licht wurde weicher, ich genoss immer wieder die Aussicht und die Abendfärbung des Himmels. Mit Blick auf das Wasser schlief ich ein.

Blick auf den Gaviksfjärden
Blick auf den Gaviksfjärden
Nachtlager
Nachtlager
Abendstimmung am Gaviksfjärden
Abendstimmung am Gaviksfjärden

Karte

Länge: 38,9 km, Anstieg: 910 m, Abstieg: 925 m

Karte