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Höga Kustenleden: Älgaberget nach Lappudden

Rödklitten, Rotsidan und eine Kajaktour

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Über Nacht war Nebel aufgekommen und tauchte die Landschaft am Morgen in ein mystisches Licht. Doch sobald die Sonne raus kam, hatte der Dunst nach und nach aufgegeben und gab den Blick auf den Gaviksfjärden frei.

4. Etappe: Von Älgaberget nach Lappudden

Früh machte ich mich auf den Weg, denn zum Mittag war eine Wetterfront mit Regen angesagt. Diese Teilstrecke war mit etwa neun Kilometern aber auch recht kurz. Nach einem Stück auf einem Pfad erreichte ich die Orte Ryd und Mädan über eine Schotterstraße. Überhaupt stand der heutige Tag im Zeichen des Schotters.

Morgennebel über dem Gaviksfjärden
Morgennebel über dem Gaviksfjärden
Blauer Stuhl in Mädan
Blauer Stuhl in Mädan
Mädans Mini-Museum
Mädans Mini-Museum

Mädan weist zwei kleine Sehenswürdigkeiten auf, nämlich liebevoll eingerichtete Mini-Museen. Das erste erreichte ich bald, hier wurde der Fischfang thematisiert. Die Informationen waren leider nur auf Schwedisch.

Es dauerte nicht lange und der Einstieg zum Rödklitten war erreicht. Der Abstecher sollte sehr lohnenswert sein, schweißtreibend wanderte ich bergan, teils waren Felsstufen zu erklimmen. Ich passierte die einstige Mauer der Fornborg. Zwischendurch stellte ich meinen Rucksack ab, da der Pfad sehr anspruchsvoll würde – und ich kam ja auf dem Rückweg wieder vorbei. Eigentlich hätte ich das schon beim Einstieg machen können, nun ja. Nach einem kleinen Abstieg erreichte ich den Aussichtspunkt mit einem herrlichen Blick über den Gäviksfjärden mit dem Mädansviken. In der Ferne waren bereits die Vorboten des Wetterwechsels zu sehen: dunkle Wolken zogen heran. Die Hütte am Älgaberget war auch auszumachen.

Wanderweg auf den Rödklitten
Wanderweg auf den Rödklitten
Mauerreste der einstigen Fornborg
Mauerreste der einstigen Fornborg
Aussicht vom Rödklitten auf den Mädansviken und den Gaviksfjärden
Aussicht vom Rödklitten auf den Mädansviken und den Gaviksfjärden

Auf dem Rückweg absolvierte ich noch einen Abstecher zur ausgeschilderten Grotte, die ich beim Aufstieg ignoriert hatte. Eine Felsspalte, etwa sechs Meter hoch und zehn Meter tief, befand sich im Fels. Nichts Spektakuläres, um dorthin zu gelangen, kletterte ich erneut über Felsblöcke.

Ich erreichte nach dem Abstieg wieder die Schotterstraße, die mich nun längere Zeit leitete. Das zweite Mini-Museum befand sich am Wegrand, hier gab es sogar Wasser zum Auffüllen – einen Kanister voll zum Zapfen, den ein Anwohner vermutlich spendierte. Thema dieses Museums scheint die Geschichte der Siedlung und die Geologie der letzten 10.000 Jahre zu sein, in der sich das Land stetig hob.

Grotte am Rödklitten
Grotte am Rödklitten
Blick über den Vågsfjärden nach Nordingrå
Blick über den Vågsfjärden nach Nordingrå
Unterkunft in Lappudden
Unterkunft in Lappudden

Und weiter ging es auf der Schotterpiste, vorteilhaft war daran, dass ich gut vorankam. Bald sah ich bereits auf der anderen Seite des Vågsfjärden den Ort Nordingrå. In Vännersta gab es einen kleinen Handwerksladen, das Schild mit Eis fiel mir sofort auf. Ich versuchte mein Glück, doch die Tür war leider verschlossen. Aber die Inhaberin kam gerade vorbei, und so kam ich zu einer kalten Leckerei.

Gestärkt machte ich mich auf den letzten Teil der Etappe, eine kleines Stück Asphalt und dann auf einem Pfad und über einen wackligen Steg. Ich wanderte am Ufer des Vännerstasundet entlang und erreichte nach vier Stunden und noch vor Mittag mein Ziel: Lappudden. Hier blieb ich nun zwei Tage. Ich hatte eine kleine Kammer in einer urigen Holzhütte zu dem fairen Preis von umgerechnet 25 Euro. In der Nachbarkammer übernachteten eine Mutter mit ihrer Tochter, Sylvana und Luise, die ebenfalls den Höga Kustenleden erwanderten. Wir kamen schnell ins Gespräch und der restliche Tag verging wie im Fluge. Nachmittags kam dann auch der Regen, der allerdings spärlicher ausfiel als angekündigt.

Mit dem Rad durch die Landschaft bei Nordingrå

Der erste Pausentag stand an, wobei Pause für mich bedeutete, den großen Rucksack nicht zu schultern und etwas anderes zu unternehmen. Ich wollte die Umgebung von Nordingrå erkunden, dazu mietete ich mir in Lappudden ein Rad – es war zwar ein etwas klappriges Damenrad mit nur drei Gängen, aber es war funktionstüchtig und erfüllte seinen Zweck. Von Maria aus dem dortigen Freizeitzentrum bekam ich einen Tourenvorschlag und schon ging es los – ausgerüstet mit einem Fahrradhelm. Ich holte mir noch Verpflegung im Supermarkt in Nordingrå, bei dem ich gleich zu Beginn vorbei kam. An kleinen Ortschaften vorbei fuhr ich zunächst gen Osten, die Steigungen auf den Schotterstraßen waren mit dem Rad aber doch etwas herausfordernd.

Blick auf den Vågsfjärden
Blick auf den Vågsfjärden
Am Fuße des Själandsklinten
Am Fuße des Själandsklinten
Dezenter Hinweis auf eine Rastmöglichkeit
Dezenter Hinweis auf eine Rastmöglichkeit

In Själand lockte mich jedoch der Gipfel des Själandsklinten, der erste Wandereinschub stand an. Das Fahrrad hatte kein Schloss – mir wurde erklärt, hier schließt niemand sein Rad ab –, ich stellte es also einfach auf dem Parkplatz am Fuße des Berges hin. Das Wegzeichen des Världsarvsleden zeigte mir die Richtung an: bergauf. Nach der Wetterfront am Vortag ist die Schwüle gewichen und der Aufstieg war recht angenehm, ohne den schweren Rucksack kletterte ich wie eine Gämse hinauf. Unterwegs überholte mich ein Jogger, den ich auf dem Gipfel wieder traf. Eine schön eingerichtete Hütte befindet sich hier ebenfalls. Ich genoss den traumhaften Ausblick, doch mit der Zeit trudelten immer mehr Menschen ein, die sich anscheinend auch alle kannten, mir wurde es dann doch irgendwann zuviel.

Blick vom Gipfel des Själandsklinten auf die Umgebung
Blick vom Gipfel des Själandsklinten auf die Umgebung
Kraniche auf einem Feld
Kraniche auf einem Feld
Begrüßung in Bönhamn
Begrüßung in Bönhamn

Wieder auf dem Rad sah ich auf einen Feld zwei Kraniche. Nun konnte ich auch endlich mein Zoomobjektiv zum Einsatz bringen, ich knipste Bild um Bild der zwei fotogenen Schönheiten. Doch bald setzte ich mich wieder auf den Sattel. Es folgten An- und Abstiege, teils müsste ich absteigen und schieben. Mit drei Gängen hat man es halt nicht leicht.

Ein Abstecher brachte mich hinab nach Bönhamn, einem malerisch gelegen Dorf am Meer mit vorgelagerten Inseln und Schären. Dort ist ein Naturpfad ausgeschildert, ich ließ das Rad am Startpunkt stehen und lief mit meinen Sandalen los, größtenteils über Fels und an der Küste entlang. Das Donnern der Brandung an den Uferfelsen begleitete mich auf meinem Weg, die Gischt spritzte empor. An diesem Samstag war einiges los, ich war nicht alleine unterwegs. Kormorane flogen über das Wasser. Die Markierung, der blaue Punkt, ist alle paar Meter auf den Felsen aufgemalt. Spontan müsste ich in Abwandlung an Matrix denken: „Follow the blue dot”.

Blick auf den Hafen von Bönhamn
Blick auf den Hafen von Bönhamn
Auf dem Naturstig bei Bönhamn
Auf dem Naturstig bei Bönhamn
Aussicht vom Naturstig auf das Meer
Aussicht vom Naturstig auf das Meer
Auf dem Naturstig
Auf dem Naturstig
Welle trifft auf Land
Welle trifft auf Land
Vogelscheuche in Bönhamn
Vogelscheuche in Bönhamn

Da es ein Abstecher war, müsste ich zunächst wieder aufwärts fahren und folgte wieder der geteerten Straße. Die nächste Empfehlung von Maria war ein Abstecher in das Naturschutzgebiet Rotsidan. Am Parkplatz stellte ich das Rad einfach wieder ab und machte mich auf den ausgeschilderten Weg zur Küste. Und ich wurde nicht enttäuscht. Durch den starken Wind am heutigen Tag donnerte die Wellen an die Felsen. Ein Jugendlicher stand auf den Felsen und stellte sich gegen das Wasser. Ich blieb längere Zeit hier, machte einen kleinen Spaziergang und genoss – wie viele andere auch – das Spektakel am Meer.

Am Strand des Naturschutzgebiets Rotsidan
Am Strand des Naturschutzgebiets Rotsidan
Einer stellt sich gegen die Wellen
Einer stellt sich gegen die Wellen
Rotsidan
Wellen auf roten Felsen

Irgendwann raffte ich mich aber wieder auf, ich musste noch Verpflegung für die nächsten Tage einkaufen und der Supermarkt hatte nur bis 17 Uhr auf. Es war bereits nach 15 Uhr und ich hatte noch ein ganzes Stück zu fahren. Auch jetzt war es ein Auf und Ab mit gelegentlichen Schiebeaktionen. Geschafft aber glücklich nach dem erlebnisreichen Tag kam ich nach sieben Stunden unterwegs wieder in Nordingrå an. Nach einem kleinen Bummel durch den Ort mit Besuch der Kirchenruine erreichte ich nach 45 Kilometern wieder meinen Ausgangspunkt Lappudden.

Kirchenruine in Nordingrå
Kirchenruine in Nordingrå
Friedhof und Kirche in Nordingrå
Friedhof und Kirche in Nordingrå
Hütten in Nordingrå
Hütten in Nordingrå

Kajaktour auf dem Vågsfjärden und im Mädansviken

Ich liebe es mit dem Kajak auf dem Meer zu paddeln – was lag da näher, eine solche Tour in dieser herrlichen Landschaft zu unternehmen. Vor einigen Tagen war noch starker Wind vorhergesagt, doch an diesem Tag waren die Gegebenheiten hervorragend, mäßiger Wind aus nördlicher Richtung. Für mich wurde es auch die erste Kajaktour, die ich komplett alleine absolvierte.

Bei bedecktem Himmel paddelte ich gegen 10:20 Uhr in Lappudden los, zunächst nach Süden Richtung Näset und dort etwas in die Bucht hinein. Pittoreske rote Häuser stehen am Ufer. Ich fuhr in die Enge südlich der Insel Präston, Gebäude befinden sich auf einer kleinen Schären, ein Hund bellte mich von dort an. Da ich Rückenwind hatte, ließ ich mich treiben. der Wind raschelt im Schilf. Die Sonne zeigte sich langsam und das Gefühl von Freiheit umgab mich. Vor mir lag die Karte zur Navigation, auch das GPS-Gerät war greifbar und zeichnete die Tour auf.

Es dauerte nicht lange, bereits nach einer Stunde erreichte ich eine Umtragestelle, ab der ich in den Gaviksfjärden übersetzte. Dazu hatte ich ein Radgestell dabei, auf dem ich das Kajak befestigte und komfortabel über einen Schotterweg und eine Straße ziehen könnte. Es ging an die Suche nach der Einstiegsmöglichkeit. Ich fand eine, nicht optimal, aber benutzbar. Das Gestell versteckte ich unter einem Baum, ich kam später ja wieder hier vorbei. Unterwegs bemerkte ich dann, dass die bisherigen Fotos auf meiner Kamera gelöscht waren. Irgendwie muss da etwas schief gegangen sein.

An der Nordspitze der Insel Storbergsholmen
An der Nordspitze der Insel Storbergsholmen
Kurs auf die Südspitze der Insel Långsön
Kurs auf die Südspitze der Insel Långsön
Auf der Insel Långsön
Auf der Insel Långsön

Ich paddelte aus dem Hafen von Häggvik und durch den Kanal in den Gaviksfjärden, offenes Wasser erwartete mich. Ich peilte die Nordspitze der Insel Storbergsholmen an und fuhr weiter weiter zur Insel Långsön. Beim Blick auf das GPS-Gerät fiel mir auf, dass die Insel auf der OpenTopoMap nicht vorhanden sind, nur Wasser – nun ja, suboptimal, ich wechselte die Karte. Am südlichen Punkt der Långsön fand ich einen kleinen Sandstrand vor, ideal für die anstehende Mittagspause, da er auch windgeschützt lag. Stille umgab mich, nur Miniwellen plätscherte an den Strand.

Pause auf der Insel Långsön
Pause auf der Insel Långsön
Kurs im Mädansviken auf den Rödklitten
Kurs im Mädansviken auf den markanten Rödklitten
Versinkendes Haus im Mädansviken
Versinkendes Haus im Mädansviken

Nach etwa einer dreiviertel Stunde machte ich mich auf den weiteren Weg. Im Mädansviken paddelte ich nach Norden, das erste Mal traf mich der Gegenwind. Ich kam aber trotzdem gut vorwärts. Der Rödklitten, den ich zwei Tage vorher bezwungen hatte, ragte am Ende der Bucht auf. Am Nordende war es wieder ruhiger, kaum noch Wind. Die Stützen eines Hauses direkt am Wasser waren eingebrochen, es lag teils im Wasser. Langsam paddelte ich weiter und schaute mir die Häuser an. Zwei Schwäne mit ihrem Jungen schwammen ein Stück vor mir her. Ich ließ mich treiben und ließ die Umgebung auf mich wirken.

Anwesen in Hägnen
Anwesen in Hägnen
Bootshaus im Vadvalmssundet
Bootshaus im Vadvalmssundet
Im Vadvalmssundet
Im Vadvalmssundet

Die Ruhe vor dem Wind änderte sich, als ich mich wieder im Kanal nach Häggvik befand, der Gegenwind war aber nicht so stark wie erwartet, es gab allerdings immer wieder Böen. Wieder im Hafen von Häggvik angelangt fand ich einen besseres Ausstiegspunkt, der etwa 100 Meter vom Punkt am Vormittag entfernt war. Ich holte das Radgestell und fuhr das Kajak auf der Straße wieder zum Vågsfjärden. Ein Rastplatz bot sich dort zur Pause an. Doch zuerst befestigte ich das Gestell wieder auf dem Boot.

Rödklitten
Rödklitten
Kirche von Nordingrå
Kirche von Nordingrå
Kurs auf Lappudden
Kurs auf Lappudden

Wieder auf dem Wasser paddelte ich zunächst im Windschatten der Insel Prästön entlang. Bald zeigte sich die Kirche von Nordingrå vor mir, zum Ziel war es also nicht mehr weit. Sobald ich um das Kap der Insel kam, nahm der Wind wieder zu, Lappudden war bereits in Sichtweite. Ich steuerte eine kleine Insel an, auf einem dortigen Rastplatz machten drei weitere Paddler eine Pause, ich dümpelte eine Weile im Windschatten umher und genoss die Sonne. Schließlich machte ich mich auf, das letzte Stück zum Ziel zu absolvieren, nach sechs Stunden unterwegs und 20 Kilometern kam ich wieder auf der Halbinsel an.

Karte

Länge: 9,4 km, Anstieg: 175 m, Abstieg: 190 m

Karte