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Höga Kustenleden – Die Vorbereitung

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Eine Trekkingtour sollte es im Sommer sein. Da ich alleine unterwegs bin, wollte es nicht in die reine Wildnis gehen. Auch bevorzuge ich es, einfach spontan dort bleiben zu können, wo ich möchte, ohne Unterkünfte buchen zu müssen. Daher kamen aufgrund des Jedermannsrecht nur ein skandinavisches Ziel in Frage. Nach weiteren Recherchen entschied ich mich für den Höga Kustenleden (Hohe-Küste-Weg) in Schweden. Die Kombination von Meer und Land reizte mich doch sehr. Geplant war die Strecke vom 7.-22. August 2018, ich hatte also 16 Tage Zeit, die Region zu erleben.

Die Region Höga Kusten (Hohe Küste) befindet sich südlich von Örnsköldsvik. Die Zivilisation ist unterwegs nie weit weg, ich konnte also jederzeit aussteigen und auch Einkaufsmöglichkeiten waren alle paar Tage gegeben. Das war relevant, da der Trekkingrucksack schon schwer genug sein wird und ich so die Möglichkeit hatte, immer wieder Nahrung nachzukaufen.

Das Ziel: Die Hohe Küste (Höga Kusten)

Während der letzten Eiszeit befand sich ganz Skandinavien unter einer dicken Eisdecke. In der Region der heutigen Hohen Küste lag eine Eisschicht von etwa drei Kilometern Dicke auf der Landschaft. Das Gewicht der Eismassen drückte die Erdkruste bis zu 800 Meter in die Tiefe. Als das Eis schließlich wieder schmolz, ist das Land wieder um 500 Meter gestiegen. Das war vor etwa 9600 Jahren. Seitdem hob sich die Region um weitere 286 Meter und der Prozess hält heutzutage immer noch an. Aktuell beträgt die Hebung acht Millimeter pro Jahr und in etwa 2500 Jahren wird eine Landbrücke zwischen Schweden und Finnland existieren. Die Region wurde im Jahre 2000 zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt.

Schären und Inseln vor der Küste
Schären und Inseln vor der Küste
Kennzeichnung der einstigen Küstenlinie auf dem Skuleberget
Kennzeichnung der einstigen Küstenlinie auf dem Skuleberget
Die abgerundeten Steine lagen einst an der Küste
Die abgerundeten Steine lagen einst an der Küste und wurden durch Wellen geformt

Vorbereitung

In der Vorbereitungsphase informierte ich mich über die Etappen und Übernachtungsmöglichkeiten. Ich besorgte mir eine Karte, sehr empfehlenswert ist „Höga Kusten” von Calazo. Sie ist beidseitig bedruckt und kann ohne Einreißen geknickt werden. Das war sehr hilfreich, da ich so immer den richtigen Ausschnitt greifbar hatte. Auf der Website zum Höga Kustenleden sind ebenfalls Karten für die einzelnen Abschnitte vorhanden, die ich mir vorher ausdruckte. Diese Karten gibt es auch als Broschüre, die in den örtlichen Touristinformationen erworben werden können.

Wanderkarten
Wanderkarten
Erikskojan
In Hütten, wie der Erikskojan, ist eine Übernachtung möglich
Erikskojan
Das Innere der Erikskojan

Weiterhin fand ich einige Artikel im Netz über den Weg und die Sehenswürdigkeiten. Auf einer Website fand ich eine Übersicht über die Hütten und Unterstände mit Bildern und zusätzlichen Informationen, wie Zeltmöglichkeit – das war doch sehr praktisch. In einigen Unterständen waren Pritschen eingezogen, andere boten nur ein Dach und Sitzbänke – zu wenig zum Übernachten. Vor allem über den Nationalpark Skuleskogen, dem absoluten Höhepunkt der Tour, waren einige Berichte zu finden.

Der Höga Kustenleden ist in 13 Abschnitte eingeteilt, die eine Länge von 5 bis 15 Kilometern aufweisen. Er führt von Härnösand im Süden nach Örnsköldsvik im Norden und führt an der Küste entlang. Es gibt Wanderer, die laufen die Strecke von insgesamt 128 Kilometer in einer Woche (oder auch in vier Tagen). Die Abschnitte sind eher als Richtlinie zu sehen, teils gibt es am Ende eines Abschnitts weder eine Übernachtungsmöglichkeit noch ein Verbindung mit dem Bus.

Ich entschied mich bewusst dafür, die Strecke gemütlich zu erwandern und den einen oder anderen Abstecher zu machen. Zunächst ging ich von elf Etappen aus, am Ende sind daraus 13 Tagesstrecken geworden. Neben dem Wandern plante ich auch eine Radtour und zwei Kajaktouren ein, so dass ich insgesamt 16 Tage Zeit hatte. Unterwegs gibt es die Möglichkeit, entsprechende Ausrüstung zu mieten.

Die Tour wollte ich von Süden nach Norden zu laufen, zum einen hatte ich so den Höhepunkt der Tour, den Nationalpark Skuleskogen, gegen Ende. Zum anderen konnte ich von der letzten Etappe direkt in den Nachtzug nach Stockholm steigen, ohne mich um eine Busverbindung von Hornöberget nach Härnösand kümmern zu müssen.

Gemütlich ist es in der Äskjastugan
Gemütlich ist es in der Äskjastugan
Nachtlager am Älgaberget
Nachtlager am Älgaberget
Zeltplatz auf den Tärnättholmarna
Zeltplatz auf den Tärnättholmarna

Unterwegs kann man in Hütten übernachten, die kostenlos zugänglich sind. In der Nähe des Weges gibt es einige Campingplätze, die auch Unterkünfte vermieten. Zusätzlich besteht in größeren Orten die Möglichkeit, in einem STF-Wanderheim (ähnlich einer Jugendherberge, in Ullånger und Köpmanholmen) oder privaten Unterkünften zu übernachten. Zusätzlich gibt es Unterstände, in denen auch eine Nächtigung möglich ist. Ich entschied mich trotzdem dazu, das Zelt mitzunehmen, da ich so flexibel und spontan sein konnte.

Mit in das Gepäck kam auch ein GPS-Gerät, ich entschied mich aufgrund der langen Akkulaufzeit, das Garmin eTrex 20x mitzunehmen. Insgesamt benötigte ich für die 18 Tage lediglich vier Akkusätze. Auf das Gerät übertrug ich die vorher geplante Strecke inkl. der Abstecher und Geocaches. Auch diente es mir während der Wanderung zur Aufzeichnung der Tour.

Wasser war aufgrund des trockenen Sommers ein Problem, da viele Bäche trocken lagen. Da man durch Orte kommt, bestand aber immer wieder die Möglichkeit, nach Wasser zu fragen und so seine Vorräte aufzufüllen. Für einige Bäche und Seen ist die Verwendung eines Wasserfilters empfehlenswert.

Grundsätzlich kann man in Schweden mit Karte zahlen, Bargeld ist nicht wirklich notwendig. Auch Kleinstbeträge können bargeldlos beglichen werden (und das auch im Bus). Trotzdem habe ich mir zu Beginn der Reise 1000 Kronen (ca. 100 Euro) in bar abgehoben, auch weil ich es in Schweden schon einmal erlebt habe, dass die Kartenauthorisierung nicht funktionierte.

Anfahrt

Da ich nicht fliege, kam für mich nur eine Anfahrt mit Bahn und Bus in Betracht. Mit den Sparpreisen der Deutschen Bahn und der Schwedischen Bahn zahlte ich für die Hin- und Rückfahrt insgesamt 200 Euro. Dazu entschloss ich mich, größtenteils Nachtzüge-/busse zu nutzen. Für die nächtliche Verbindung von Mannheim über Hamburg (ICE) nach Kopenhagen (IC-Bus) zahlte ich etwa 36 Euro, die Strecke von Kopenhagen nach Stockholm mit dem Schnellzug kostete umgerechnet 20 Euro und von Stockholm nach Härnösand mit dem Nachtzug 40 Euro. Von Härnösand fuhr ich dann mit dem Bus in 23 Minuten zum Einstiegspunkt des Höga Kustenleden am Hornöberget.

Bei der Schwedischen Bahn SJ kann man online die Zugverbindungen ermitteln und die Fahrkarte erwerben. Eine Besonderheit gibt es in Schweden: den Globalpreis. Das bedeutet, dass man neben der Fahrkarte auch eine Reservierung erwirbt. Sind alle Plätze belegt, ist der Zug ausverkauft und man kann keine Tickets mehr für diese Verbindung bekommen. Die Preise richten sich dabei u.a. nach der erwarteten Auslastung.

Auf der Hinfahrt fuhr ich in 32 Stunden direkt nach Härnösand, auf dem Rückweg legte ich zwei Pausentage in Stockholm ein.

Ausrüstung

In der Woche vor der Abfahrt packte ich  meinen Rucksack. Grundsätzlich hatte ich max. drei Kleidungsstücke jeder Art dabei. Ich konnte ja unterwegs waschen. Ich habe auch lange überlegt, welche Kamerausrüstung ich mitnehme. Ich entschied mich schließlich dafür, meine Spiegelreflexkamera (EOS 200D) mit Standard- und Zoomobjektiv inkl. einem leichten Stativ mitzunehmen. Unterwegs war ich froh über die Entscheidung, trotz der zwei Kilogramm Kameraausrüstung, diese dabei zu haben.

Meine Packliste

Rucksack am Start der Tour am Hornöberget
Rucksack am Start der Tour am Hornöberget

Übernachtung:

  • Zelt mit Unterlegplane (MSR Hubba Hubba NX)
  • Daunenschlafsack mit Seideninlett (Yeti Shadow 300)
  • Aufblasbare Isomatte (Thermarest Prolite Plus)
  • Regenhülle für den Trekking-Rucksack

Ausrüstung:

  • Trekkingstöcke
  • Sitzkissen
  • Trinkflaschen (insgesamt vier Liter, normale Plastikflaschen)
  • Tasse
  • Besteck
  • Taschenmesser
  • Benzinkocher (MSR Whisperlite)
  • Topf mit Deckel
  • Streichhölzer
  • Proviant
  • Stirnlampe
  • Riemen/Karabiner
  • Mückenabwehrmittel
  • Rucksack für Tagestouren (Sea to Summit Ultra-Sil Day Pack)
  • Microfaser-Handtuch
  • Wasserfilter (Care Plus Water Filter)
  • Wanderkarte

Kleidung:

  • Hoodie
  • Leichte Daunenjacke
  • Atmungsaktive T-Shirts
  • Unterwäsche
  • Wandersocken
  • Zwei Trekkinghosen
  • Regenjacke
  • Regenhose
  • Wanderschuhe
  • Trekkingsandalen
  • Buff
  • Wäscheschnur mit Wäscheklammern

Sonstiges:

  • Waschgel
  • Rasierzeug
  • Zahnbürste / Zahnpasta
  • Kamera (inkl. Speicherchips und Akkus)
  • GPS-Gerät (inkl. Akkus)
  • Smartphone (mit Ladekabel und Powerbank)
  • Toilettenpapier
  • Müllbeutel
  • ZIP-Beutel
  • Erste-Hilfe-Set
  • Kreditkarten

Insgesamt kam ich zu Beginn auf 23 Kilogramm Gepäck (ohne Wasser). Dieses reduzierte sich mit der Zeit, da das Essen weniger wurde. Zwei Kilogramm davon wog das Zelt, ebenfalls zwei Kilogramm die Kamerausrüstung. Etwa vier Kilogramm kamen an Essen (Mahlzeiten, Energieriegel, Nüsse) zusammen. Leider hatte ich zu Beginn der Tour das Pech, dass absolutes Feuerverbot galt, so dass ich nicht kochen konnte. Das Verbot wurde nach einigen Tagen gelockert.