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Wandern und mehr / MegaMarsch - Die Vorbereitung

MegaMarsch 2017 Frankfurt

MegaMarsch - Die Vorbereitung

100 Kilometer Wandern in 24 Stunden. MegaMarsch – so nennt sich die Veranstaltung, die ausgehend von fünf Städten in Deutschland an verschiedenen Wochenenden stattfindet. Im August habe ich über Twitter die Vorbereitungstour des WrightSock-Teams verfolgt.

Das brachte mich auf die Idee, mich doch auch einmal an einer solchen Strecke zu versuchen. Ich kontaktierte Daniela aus dem Team, ob es möglich wäre, in die Gruppe aufgenommen zu werden. Denn alleine wollte ich die Strecke nicht in Angriff nehmen. Kurzfristig hatte ich dann die Möglichkeit, aufgrund einer Absage zum Team dazuzustoßen. Das war genau acht Tage vor der Veranstaltung am 14./15. Oktober 2017, Start ist zwischen 16 und 17 Uhr in Frankfurt, die Strecke führt nach Weinheim an der Bergstraße.

Trainingstour

Doch wie sollte ich nun die kurze Vorbereitungszeit nutzen? Nun, ich war im September vier Wochen auf dem Saar-Hunsrück-Steig mit Rucksack unterwegs, damit sollte ich eine gewisse Grundkondition haben. Spontan habe ich dann beschlossen, eine Trainingstour am Samstag zu unternehmen, also genau eine Woche vorher. Ich suchte mir dafür den Neckarsteig ab Heidelberg heraus, dieser war von meinem Wohnort Mannheim schnell zu erreichen und ich hatte jederzeit die Möglichkeit, ins Neckartal abzusteigen und mit der Bahn zurückzufahren. Neben der Strecke fand ich auch das Höhenprofil interessant, wollte ich doch einen Trainingseffekt erreichen. Im Rucksack hatte ich lediglich eine Flasche Wasser, einige Energieregel, Äpfel und Bananen. Unterwegs konnte ich an einigen Quellen Wasser auffüllen.

Gedacht, getan: Kurz nach 10 Uhr lief ich an der S-Bahn-Haltestelle Heidelberg-Altstadt los, hinauf zum Schloss und weiter auf den Königstuhl. Ich entschied mich dafür, ein flottes Tempo anzuschlagen, um herauszubekommen, ob ich auf einer längeren Strecke dieses halten kann. Ich hatte auch Trekkingstöcke dabei, die mir beim Aufstieg halfen und beim Abstieg die Gelenke schonten. Beim Aufstieg entschloss ich mich, die Himmelsleiter zu vermeiden und dem Odenwald-Vogesen-Weitwanderweg auf Serpentinenwegen hinauf zu folgen.

Kurz genoss ich das Panorama vom Aussichtspunkt, dann wanderte ich weiter. In Neckargemünd störten dann Ampeln etwas meinen Wanderflow, die Feste Dilsberg ließ ich am Wegrand liegen und es ging über den Neckar nach Neckarsteinach. Ich fühlte mich fit und langsam von den Endorphinen auch euphorisiert. Mindestens 40 Kilometer wollte ich laufen, das wäre bis Hirschhorn, ich spielte auch mit dem Gedanken, weiter nach Eberbach zu gehen, das wären 12 Kilometer weiter. Abwarten, sagte ich mir, mal schauen, wie du dich in Hirschhorn fühlst.

Nach einer Schleife durch Neckarsteinach führte mich der Weg wieder in die Höhe, ein kleiner Abstecher zum Goetheblick, kurz innehalten und ein Foto, weiter ging es auf dem Bergrücken entlang. Auch die weitere Strecke kam mir bekannt vor, passierte ich doch das Rote Bild, bevor es hinab nach Hirschhorn ging. Mein GPS-Gerät zeigte inzwischen 39 Kilometer an. Beim Abstieg rechnete ich durch, weiter nach Eberbach sind 2½ Stunden zusätzlich. Es dämmerte bereits, doch ich hatte auch an die Stirnlampe gedacht. Doch ich entschied mich dagegen, der Trainingseffekt war bereits spürbar und ich wollte eine Woche vor der Veranstaltung kein unnötiges Risiko eingehen. Ich lief noch eine kleine Schleife, bevor ich nach 41,4 Kilometern, 1515 Höhenmetern und 7:44 Stunden nach dem Start in Heidelberg am Bahnhof in Hirschhorn ankam. Und alles war im grünen Bereich – so habe ich es mir vorgestellt.

Am Tag danach unternahm ich eine weitere Wanderung mit Kolleginnen im Taunus, hier waren es am Ende knapp 20 Kilometer. Mit den beiden Touren eine Woche vorher fühlte ich mich gut gerüstet, auch wenn eine längere Vorbereitungszeit mit weiteren Trainingsstrecken sinnvoll gewesen wäre.

Die Tage davor

An den Folgetagen kreisten meine Gedanken immer wieder um den MegaMarsch. Es ist das erste Mal, dass ich an einer solchen Veranstaltung teilnehme. Wie reagiert mein Körper auf die permanente Anstrengung? Wie stecke ich die lange Wanderzeit weg? Immerhin sind 24 Stunden angesetzt – und an Schlaf zwischendurch ist bei der Streckenlänge nicht zu denken. Mental wird sicherlich auch eine Herausforderung: Wie gehe ich mit einem Durchhänger um? Hier ist es sicherlich von Vorteil, in einem Team zu laufen.

Viele Gedanken habe ich mir im Vorfeld nicht gemacht. Ich vertraue auf meine Wandererfahrung und meine Kondition, immerhin bin ich fast jeden freien Tag in der Natur unterwegs. Ich sehe es als wertvolle Erfahrung an, wo wird die Grenze liegen?

Bei der Trainingstour hatte ich einige interessante Erkenntnisse gewonnen: Zum einen kann ich über mehrere Stunden – auch bei längeren Steigungen – ein recht hohes Tempo halten. Nicht dass ich diese Geschwindigkeit beim MegaMarsch laufen möchte, dort werde ich wohl eher einen Gang zurückschalten. Als realistisches Ziel setze ich mir 60+ Kilometer, das sollte machbar sein, alles andere ist Zugabe. Nachdem ich den Streckenverlauf gesehen habe, wäre das direkt nach der Durchquerung des Reichenbacher Felsenmeers – und ich stelle es mir toll vor, nachts durch die Felsen zu wandern. Es wird sich dann zeigen, ob ich physisch und mental in der Lage bin, weiterzuwandern.

Zum anderen merkte ich, dass die Schlaufen an den Treckingstöcken nach längerer Zeit unangenehm auf der Haut reiben. Hier überlege ich mir, dünne Handschuhe mitzunehmen, die auch einen eventuellen kalten Wind abhalten können. Ansonsten hat sich bei der Kleidung das Zwiebelprinzip bewährt. Ein T-Shirt als unterste Lage, darüber ein Hoodie (bei dem ich, wenn es warm wurde, einfach die Ärmel nach oben schob) und eine dünne Jacke, die ich aber nur anzog, als der Wind auffrischte und es kühl wurde.

Die Trekkingstöcke unterstützten mich beim Aufstieg sehr, einen Teil der Belastung konnte ich so auf die Arme verlagern. Auch beim Abstieg, vor allem auf schmalen, wurzeldurchzogenen Pfaden, waren sie sehr hilfreich und schonten auch gleichzeitig die Knie- und Fußgelenke.

Vorfreude

Nun sind es noch drei Tage bis zum MegaMarsch, Vorfreue macht sich in mir breit, auch, um die anderen Mitwanderer aus dem WrightSock-Team kennenzulernen:

Die Firma Wrightsock widmet den Marsch der Initiative laufendhelfen.de und spendet für jeden gelaufenen Kilometer einen Euro.

Und dann kam der Tag: Ich lief tatsächlich den MegaMarsch Frankfurt 2017.

Die Teilnahme wird mir von der Firma WrightSock unentgeltlich ermöglicht. Auch unterwegs erhalte ich Unterstützung, z.B. kann ich Wechselkleidung hinterlegen, an Verpflegung ist gedacht und ich kann im Fall der Aufgabe auf einen Transfer zurückgreifen. Dies beeinflusst in keiner Weise meine Berichterstattung, ich gebe meine ehrliche und ungefilterte Meinung wieder.