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Wandern und mehr / Ajaxturm, Ruine Neu-Bamberg und Heide

Hiwweltour Heideblick

Ajaxturm, Ruine Neu-Bamberg und Heide

Rheinhessen ist bekannt für Wein, ist es doch das größte deutsche Weinanbaugebiet. Doch es ist auch ein vorzügliches Wandergebiet. Die Region bietet zwar nicht die hohen Gipfel oder die tiefen Wälder, dafür aber eine schöne und offene Hügellandschaft zwischen Rhein und Pfalz. Bereits im Frühjahr unternahm ich eine mehrtägige Wanderung auf dem Rheinterrassenweg von Worms nach Mainz – Zeit, nun auch dem „Hinterland” einen Besuch abzustatten. Ausgesucht habe ich mir den PremiumwanderwegHiwweltour Heideblick – blüht doch just im August das Heidekraut und taucht die Landschaft in einen lilafarbenen Traum. „Hiwwel” bedeutet übrigens im rheinhessischen Dialekt „Hügel”, und das war auch bezeichnend für diese Runde, war es doch ein munteres Auf und Ab.

Am Startpunkt der Hiwweltour Heideblick
Am Startpunkt der Runde
Wegweiser Hiwweltour Heideblick
Die Wanderung war gut ausgeschildert
Siefersheim
Aussicht auf Siefersheim

Startpunkt der Tour war Siefersheim. Die Anfahrt bewerkstelligte ich mit der Bahn und dem Fahrrad – ja, richtig gelesen. Da der Ort einige Kilometer von der nächsten Bahnstation in Gau-Bickelheim entfernt war, entschloss ich mich, das Rad mitzunehmen und die letzten Kilometer zum Einstiegspunkt auf zwei Rädern zurückzulegen. Das hatte auch den Vorteil, dass ich direkt am Start in der verlängerten Sandgasse „parken” und loslaufen konnte.

Reife Trauben
Reife Trauben am Wegrand
Am Silvaner-Eck
Am Silvaner-Eck
Wanderweg
Wanderweg

Meer und Gestade

Die Hiwweltour Heideblick führte mich zunächst durch die Weinberge zum Silvaner-Eck, von hier schweift der Blick weit über die rheinhessische Hügellandschaft und auch der Taunus grüßte mich aus der Ferne. Bei schwülwarmen Wetter lief ich weiter und an den prall behangenen Weinreben entlang. Parallel begleitete mich der Küstenweg. Wie, eine Küste mitten in Deutschland? Ja, in einer früheren Zeit gab es hier ein Meer mit einer Küste und einigen Inseln. Bald erreichte ich eine Infotafel, die mich über die Entstehung des hier vorhandenen Rhyoliths informierte. Ich war erstaunt, dass hier ein vulkanisches Gestein vorkommt, doch die Tafel klärte mich auch darüber auf. Auch heute noch wird in einem nahen Steinbruch das Gestein abgebaut. Oberhalb des Weges befindet sich ein Naturschutzgebiet, ich lief ein Stück den Weg hinab und konnte einen guten Blick auf das das ehemalige Rhyolith-Abbaugebiet werfen.

Trockenmauer aus Rhyolith-Steinen
Trockenmauer aus Rhyolith-Steinen
Der ehemalige Rhyolith-Abbau ist gut zu erkennen
Der ehemalige Rhyolith-Abbau ist gut zu erkennen
Am Wingertsheisje
Am Wingertsheisje

Ajaxturm

Es dauerte nicht lange und ich erblickte bereits den Ajaxturm an der Flanke des Galgenbergs. Auf dem Weg dorthin zirpten Grillen am Wegrand, leider hörte ich auch die Autos auf der Straße im Tal. Der Ajaxturm war bald erreicht, kann jedoch nicht erklommen werden. Um den Turm rankt sich eine Geschichte.

Wegweiser Hiwweltour Heideblick
Da geht's lang
Galgenberg und Ajaxturm
Blick zum Galgenberg mit dem Ajaxturm
Ajaxturm
Ajaxturm
Ajaxturm mit Hund
Ajaxturm mit Hund
Wegkreuz oberhalb von Neu-Bamberg
Wegkreuz oberhalb von Neu-Bamberg
Steinrossel am Weinberg
Steinrossel am Weinberg

Ich wanderte weiter auf der Wanderroute, Schmetterlinge umtanzten sich und einer begleitete mich auch ein Stückchen des Weges. Die Umgebung wurde steiniger und Grashüpfer sprangen immer weiter vom Weg, als ich mich näherte. Am Wegrand blühte bereits das Heidekraut, eine Einstimmung auf die Heide, die ich gegen Ende der Tour besuchte. Unterwegs sah ich den einen oder anderen Steinrossel, das sind aufgeschichtete Steinhaufen, die bei der Urbarmachung des Gebietes entstanden, so dass Weinbau überhaupt erst möglich wurde.

Liegebank
Liegebank
Burgruine Neu-Bamberg
Burgruine Neu-Bamberg
Burgruine Neu-Bamberg
Burgruine Neu-Bamberg

Burgruine Neu-Bamberg

Schließlich erreichte ich Neu-Bamberg, über dem Ort thront eine Burgruine, und da ich Burgen gerne besuche, machte ich einen Abstecher hinauf. Nahe der Anlage steht die Kirche St. Dionysius. Die Burg Neu-Bamberg wurde im 13. Jahrhundert errichtet und im Jahre 1668 zerstört. Seit 1970 finden Restaurierungsarbeiten statt. Es ist ein schönes Fleckchen, eine Rast bot sich hier an.

Burgruine Neu-Bamberg
Burgruine Neu-Bamberg
Aussicht auf Neu-Bamberg mit Burgruine
Aussicht auf Neu-Bamberg mit Burgruine
Skulptur an der Katzensteiger Mühle
Skulptur an der Katzensteiger Mühle

Zurück auf der Hiwweltour Heideblick führte mich der Weg hinauf zu einem Aussichtspunkt mit einem herrlichen Blick über den Ort und die ehemalige Burganlage. Doch gleich darauf wanderte ich auf einem Pfad hinab ins Appelbachtal und folgte der ehemaligen Bahntrasse bis zur Katzensteiger Mühle. Am Wanderparkplatz befindet sich eine Skulptur, die vielleicht die beiden Hauptpersonen aus dem Märchen mit dem Froschkönig darstellen?

Neu-Bamberger Heide

Der nun folgende Pfad ist traumhaft, er führt langsam durch dichten Bewuchs hinauf und der Geruch des Waldes umfing mich. Auf der Höhe erreichte ich das Adlerdenkmal und die blühende Neu-Bamberger Heide. Allerdings waren hier auch Spaziergänger mit fünf Hunden, davon vier Möpsen, die mich auch gleich kläffend und schnaufend „begrüßten”. Ein Abstecher in die blühende Heidelandschaft ist empfehlenswert.

Wanderweg
Wanderweg
Adlerdenkmal
Adlerdenkmal
Neu-Bamberger Heide
Neu-Bamberger Heide
Neu-Bamberger Heide
Neu-Bamberger Heide
Aussicht von der Liegebank
Aussicht von der Liegebank
Schönste Weinsicht 2016
Schönste Weinsicht 2016

Tolle Aussichtspunkte

Es dauerte nun nicht lange und ich gelangte zu einem Aussichtspunkt mit einer Liegebank, an der sich eine Pause anbot. Mein Blick schweifte über die rheinhessische Schweiz, wie die Gegend auch genannt wird. Wieder unterwegs kam ich an der schönsten Weitsicht Rheinhessens 2016 vorbei, der Winzeralm. Und die Auszeichnung ist verdient: Ich konnte über das rheinhessische Hügelland bis zum Mittelrheintal und den anschließenden Taunus blicken, westlich davon erhoben sich die Berge des Hunsrücks und im Osten war die Hügelkette des Odenwalds zu sehen: Ein traumhafter Aussichtspunkt. An Wochenenden wird hier auch ausgeschenkt, heute war der Platz ausgestorben und ich hatte ihn ganz für mich alleine.

Blick von der Winzeralm
Blick von der Winzeralm
Aussicht auf den Taunus
Aussicht auf den Taunus
ehemaliges Brandungskliff
ehemaliges Brandungskliff

Ich lief nun wieder durch die Weinberge und an einem weiteren Aussichtspunkt mit Blick zum Taunus vorbei. Einige Minuten später kam ich an einer ehemaligen Kliffstufe vorbei, ein Zeitzeuge, dass es hier einmal ein Meer gab. Nun dauerte es nicht mehr lange und ich kam wieder am Ausgangspunkt an, nachdem ich etwa vier Stunden auf der Hiwweltour unterwegs war.

Fazit

Diese kurz und auch kurzweilige Wanderung hat mir sehr viel Spaß gemacht. Auf kleinem Raum ist die Landschaft vielseitig und viele Sehenswürdigkeiten und Aussichtspunkte laden zum Verweilen ein. Einige Infotafeln am Wegrand erzählen von der geologischen Geschichte der Region, als es hier eine Küste gab. Die Hiwweltour Heideblick verläuft hauptsächlich durch offenes Gelände, so dass im Sommer bei entsprechender Sonneneinstrahlung eine Kopfbedeckung angeraten ist. Ich kann diese Runde uneingeschränkt empfehlen.

Länge: 9,8 km, An-/Abstieg: 210 m

Karte