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Wandern und mehr / Kapelle Iben und Donnersbergblick

Hiwweltour Tiefenthaler Höhe

Kapelle Iben und Donnersbergblick

von Chris

Die Hiwweltouren in der rheinhessischen Schweiz sind immer eine Wanderung wert. Anfang November ging ich die Hiwweltour Tiefenthaler Höhe an, ein zertifizierter Premiumwanderweg. Wie üblich reiste ich mit Zug und Fahrrad an, der erste Teil der Radstrecke von Armsheim bis zur Geistermühle kannte ich noch von der Hiwweltour Aulheimer Tal, die ich wenige Monate vorher gelaufen bin. Auf dem Hinweg herrschte noch teils dichter Nebel, in Tiefenthal hatte sich aber die Sonne bereits etwas durch den Dunst gekämpft.

Wegweiser der Hiwweltour Tiefenthaler Höhe
Wegweiser der Hiwweltour Tiefenthaler Höhe
Wanderweg
Wanderweg
Am Feuchtbiotop Appelbach
Am Feuchtbiotop Appelbach

Nun ging es also in das rheinhessisch-pfälzische „Grenzgebiet”. Ich startete um 11:30 Uhr – für meine Verhältnisse recht spät – am Gemeindehaus in Tiefenthal. Eine Infotafel stimmte mich auf die Strecke ein, es waren nur zwei explizite Sehenswürdigkeiten angegeben: Das Feuchtbiotop Appelbachtal und das Dunzelloch. Ich nahm den südlichen Zuweg zum Wanderweg, der mich in das Waldgebiet oberhalb das Ortes führte. Dort traf ich auf den ersten Wegweiser der Hiwweltour Tiefenthaler Höhe. Kurz darauf führte mich der Weg auf einem tollen Trail eine Schlucht im Wald hinab. Nach einem kleinen Stück Teerweg leitete mich die Hiwweltour auf einem Graspfad durch die „Wildnis“ zum Appelbach und dem dortigen Feuchtbiotop. Noch hing viel Dunst in der Luft, doch das tat meiner Wanderlust keinen Abbruch.

Teich im Appelbachtal
Teich im Appelbachtal
Pferde
Pferde
Herbstlicher Wald
Herbstlicher Wald

Auf dem Wanderweg ging es nun den herbstlichen Wald hinauf, die bunten Blätter leuchteten und die bereits abgefallenen raschelten unter meinen Schritten. Herrlich, so ein Herbsttag, ich genoss die Farbenpracht. Mich überholte ein Auto und blieb an einer Kreuzung stehen, der heimische Jäger stieg aus und empfahl mir, einen Abstecher zur nahen Kapelle Iben zu unternehmen. Hmm, die Beschreibung von ihm klang toll und der Umweg hielt sich auch noch in Grenzen. Also lief ich hinab in das Tal nach Hof Iben. Dort traf ich wieder auf den Jäger, er war extra hierhergefahren, um mir die Kapelle zu zeigen und erklärte mir viel über das Gebäude.

Hof Iben
Blick auf Hof Iben
Kapelle Iben
Kapelle Iben
Alter in der Kapelle Iben
Alter in der Kapelle Iben
Fenster in der Kapelle Iben
Fenster in der Kapelle Iben
Skulptur in der Kapelle Iben
Skulptur in der Kapelle Iben
Filigrane Ornamente
Filigrane Ornamente

Interessanterweise befindet sich die Kapelle Iben mitten in einem Bauernhof. Sie wurde erstmals im Jahr 1258 urkundlich erwähnt und war damals Bestandteil einer Komturei des Templerordens. Das Bauwerk ist ein herausragendes Beispiel für die frühgotische Bauweise, die dem Werkkreis der Naumburger Meister zugeordnet wird. Viele alte Steinmetzzeichen konnte ich an den Mauern entdecken. Die vielen detailreichen Verzierungen, u.a. am Fries und am Gewölbeschlussstein, beeindruckten mich doch sehr. 

 

 

Steinmetzzeichen an der Außenwand
Steinmetzzeichen an der Außenwand
Laubwandern auf der Hiwweltour
Laubwandern auf der Hiwweltour
Dunzelloch
Dunzelloch

Nach der Besichtigung wanderte ich wieder hinauf zum ausgeschilderten Wanderweg, der  bald darauf den Wald verließ. Mein Blick schweifte über die nähere Umgebung, mehr ließ der immer noch vorhandene Dunst in der Luft nicht zu. Es herrschte eine schöne Stimmung und ich war alleine unterwegs, keine weitere Menschenseele begegnete mir. An Feldern vorbei und durch Wald erreichte ich schließlich das Dunzelloch, ein ehemaliger Steinbruch.

Weitsicht mit Nebel
Weitsicht mit Nebel
Landschaft
Landschaft
Grenzstein zwischen Rheinhessen und der Pfalz
Grenzstein zwischen Rheinhessen und der Pfalz

Nach einem kleinen Anstieg passierte ich den Ruhewald Rheinhessische Schweiz und gelangte zu einer Absperrung – mal wieder Forstarbeiten und in der Ferne waren Motorsägen zu hören. Leider war keine Umleitung ausgeschildert, so lief ich zuerst durch den Ruhewald und dann mitten durch das Geäst zum Wanderweg, GPS-Gerät sei Dank. Weiter auf einem Forstweg verließ ich bald wieder den Wald. In der Ferne konnte ich durch den Dunst den Donnersberg erahnen, den höchsten Berg der Pfalz. Die Sonne sandte ihre Strahlen durch den Nebel, das Ganze hatte einen mystischen Anstrich. So lief ich nun eine Weile am Waldrand entlang, immer wieder den Blick gen Süden gerichtet. Hier verläuft auch die rheinhessisch-pfälzische „Grenze“, auch heute noch zeigen Steine den ehemaligen Grenzverlauf zwischen dem Großherzogtum Hessen und dem Königreich Bayern an, die nur kurze Zeit nach dem Wiener Kongress Bestand hatte.

Windräder
Windräder
Wanderweg auf dem Homberg
Wanderweg auf dem Homberg
Blick vom Homberg ins Appelbachtal
Blick vom Homberg ins Appelbachtal

Bald ragten vor mir mächtige Windräder auf. Der Weg führte nun auf einer  Schleife um den Homberg, ein Rastplatz lud mich zur Pause ein, ich konnte nicht widerstehen. Und das war auch gut so, denn die Strahlen der inzwischen tiefer stehende Sonne brachen sich im Dunst. Ich blickte über das Appelbachtal zum Donnersberg, der nun deutlich zu erkennen war.

Aussicht vom Homberg zum Donnersberg
Aussicht vom Homberg zum Donnersberg
Auf dem Homberg
Auf dem Homberg
Abstieg nach Tiefenthal mit Blick auf den Eichelberg
Abstieg nach Tiefenthal mit Blick auf den Eichelberg

Nach der Pause wanderte ich weiter auf dem Homberg entlang und tauchte wieder in den Wald ein. Doch plötzlich fing es an zu regnen. Wie das? Da war wohl eine dunkle Wolke über mir, denn sonst waren inzwischen doch viel blaue Flecken am Himmel zu sehen. Doch die Feuchtigkeitsspende dauerte nicht lange an und als ich aus dem Wald trat, war es wieder von oben trocken. Vor mir öffnete sich ein tolles Panorama zum Eichelberg. Nun stieg ich noch über eine Wiese hinab und erreichte den Zuweg und kurz darauf wieder Tiefenthal.

Fazit

Diese Wanderung ist wie die anderen Hiwweltouren vorbildlich ausgeschildert. Immer wieder zeigen Wegweiser neben der Richtung auch die Strecke zu den nächsten Orientierungspunkten an. Die Tour besticht durch ihre Aussichten, der Höhepunkt ist sicherlich der Blick vom Homberg hinab ins Appelbachtal und weiter zum Donnersberg. Daher empfiehlt es sich, die Runde im Uhrzeigersinn zu absolvieren.

Fährt man Tiefenthal von Norden an, so kann man statt dem Abstecher zu Fuß zur Kapelle Iben, diese auch nach der Wanderung auf der Rückfahrt besichtigen. Ein Parkplatz befindet sich in direkter Nähe.

Länge: 12,9 km, An-/Abstieg: 225 m

Karte