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Kleiner Mainzer Höhenweg

Rheinblick, Raketenabschussbasis und Schloss Waldthausen

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Der Kleine Mainzer Höhenweg ist der kleine Bruder des bekannten Mainzer Höhenwegs in den Pitztaler Alpen. Er führt auf 31 Kilometer südlich von Mainz von Laubenheim über Ebersheim und den Ober-Olmer Wald bis nach Mombach. Dabei wechseln sich Wein- und Obstanbau mit Waldflächen ab.

Da ich den Kleinen Mainzer Höhenweg an einem Tag erwandern wollte, ging es bereits früh am Morgen los: Zum einen hatte ich so genügend Zeit unterwegs und zum anderen wollte ich den Sonnenaufgang über der Rheinebene bewundern. Um 7 Uhr startete ich am Bahnhof in Mainz-Laubenheim, die zarte Morgendämmerung hatte bereits begonnen. Am Startpunkt befindet sich eine Infotafel, die den ersten Abschnitt des Kleinen Mainzer Höhenwegs beschreibt. Zunächst führte mich das Wegzeichen, ein weißes Edelweiß auf grünem Grund, durch den Mainzer Stadtteil und vorbei am Wiegeheisje und der Bronzestatue des „Ausschellers und Polizeidieners”. Es dauerte nicht lange und der Weg leitete mich aufwärts in die Weinberge, trotz der frostigen Temperaturen wurde mir beim Aufstieg schnell warm. Der Verkehrslärm aus der Rheinebene war an diesem Werktag deutlich zu vernehmen.

Wegweiser
Wegweiser
Sonnenaufgang über der Rheinebene
Sonnenaufgang über der Rheinebene
Flugzeug über der Landschaft
Flugzeug über der Landschaft

Sonnenaufgang über der Rheinebene

Auf der Höhe traf ich auf den Rheinterrassenweg, den ich bereits im Vorjahr kennengelernt habe. Morgendunst lag über der Rheinebene, das silberne Band des Flusses war gut zu erkennen. Nun dauerte es nicht mehr lange, und die glutrote Sonne schälte sich aus dem Dunst heraus, ich konnte gut zusehen, wie sie immer höher stieg – ein tolles Fotomotiv.

Schließlich wanderte ich weiter, der Kleine Mainzer Höhenweg führte mich auf Teerwegen auf der Höhe entlang und durch Weinberge und an Feldern vorbei. Vom Aussichtsturm am Bodenheimer Hoch blickte ich weit über die Landschaft und hinab nach Bodenheim. Das goldene Licht der Sonne zauberte eine tolle Morgenstimmung hervor, auf dem weiteren Weg warf ich einen langen Schatten auf den Weg.

Blick auf Bodenheim
Blick auf Bodenheim
Bodenheimer Hoch
Bodenheimer Hoch
Bodenheimer Hoch
Bodenheimer Hoch

Bald lockte mich ein schöner Rastplatz an der Ebersheimer Hohl, ich hatte jedoch noch einiges an Strecke vor mir, daher widerstand ich zunächst der Versuchung. Es kam auch schon Ebersheim, ein weiterer Mainzer Stadtteil, in Sicht, doch zunächst machte der Weg einen Abstecher zur Glockenberghütte mit Blick auf Gau-Bischofsheim –ein herrlicher Platz, an dem ich die erste Rast machte.

Ebersheimer Hohl
Ebersheimer Hohl
Glockenberghütte
Glockenberghütte
Wegweiser an der Glockenberghütte
Wegweiser an der Glockenberghütte

Die Sage von der Marienkapelle

Doch bald zog es mich weiter, auf einem Grasweg wanderte ich in den Ort hinein. Dort befindet sich die Marienkapelle, die über eine steile Treppe zugänglich ist. Die Legende erzählt: Ein Reiter wurde an diesem Ort von Räubern verfolgt. Doch sein Pferde scheute vor einem schroffen Abhang. Die Räuber kamen immer näher, er konnte nicht zurück. Er rief die Gottesmutter zu Hilfe und verband dies mit einem Versprechen. Daraufhin jagte er auf seinem Pferd den Abhang hinab, er und sein Ross kamen mit heiler Haut davon. So löste er sein Versprechen ein und errichtete am 14. Oktober 1705 einen Bildstock. Über Jahrzehnte war es dem Wetter ausgesetzt, 1890 wurde über dem barocken Bild eine Kapelle errichtet.

Wanderweg oberhalb von Gau-Bischofsheim
Wanderweg oberhalb von Gau-Bischofsheim
Marienkapelle in Gau-Bischofsheim
Marienkapelle in Gau-Bischofsheim
Katholische Pfarrkirche in Ebersheim
Katholische Pfarrkirche in Ebersheim

Höchster Punkt von Mainz

Der folgende Weg nach Ebersheim war schwer zu gehen, er war aufgewühlt und gefroren, daher sehr uneben. Im Ort zeigte mir der Wegweiser dann noch etwas über 20 Kilometer zum Ziel in Mombach an. An der Katholischen Pfarrkirche vorbei verließ ich wieder den Ort, ein Wegkreuz am Ortsrand befindet sich auf dem höchsten Punkt auf Mainzer Gemarkung. Der Weg durch die Felder war aufgrund des kalten Nordostwindes ziemlich unangenehm, dafür wurde ich mit einem grandiosen Blick über die rheinhessische Hügellandschaft belohnt.

Wegkreuz bei Ebersheim
Wegkreuz bei Ebersheim
Am Winternheimer Berg
Am Winternheimer Berg
Kulturlandschaft bei Klein-Winternheim
Kulturlandschaft bei Klein-Winternheim

Der Weg geleitete mich abwärts in das Haybachtal, der Boden taute inzwischen auch bereits auf, es wurde recht matschig. Zwei Ziegen meckerten in einem Gehege, Flugzeuge im Landeanflug auf Frankfurt flogen im Minutentakt über die Landschaft. Auf befestigten Wegen gelangte ich nach Klein-Winternheim. Bunte Häuser im Ortskern erfreuten das Auge, durch das Gewerbegebiet verließ ich wieder den Ort. Ein größerer Anstieg stand nun wieder an, der Lärm der nahen Autobahn war leider deutlich zu hören. 

Ziegen
Ziegen
Blick auf Klein-Winternheim
Blick auf Klein-Winternheim
Klein-Winternheim
Klein-Winternheim

Auf der Höhe begrüßte mich wieder der kalte Wind, die Hochhäuser von Mainz-Lerchenberg ragten in meinem Blickfeld auf. Am Alten Forsthaus Ober-Olm kam eine Sitzbank mit Südblick gerade richtig – war doch nun Mittagszeit und so genoss ich die Sonne nach fünf Stunden unterwegs. 

Weinberge
Weinberge
Wegweiser
Wegweiser
Ober-Olmer Wald
Im Ober-Olmer Wald

Die Friedenstreppe auf der ehemaligen Raketenabschlussbasis

Nach der längeren Pause führte mich der Kleine Mainzer Höhenweg in den Ober-Olmer Wald hinein. Kurz nach dem Friedenskreuz bot sich ein Abstecher durch die ehemaligen Raketenabschussbasis an. Die Friedenstreppe erinnert an den ehemaligen amerikanischen Stützpunkt und mahnt das friedliche Zusammenleben an. Der Weg durch das Moorgebiet führte teils über Holzstege.

Zur Zeit des Kalten Kriegs befand sich im Ober-Olmer Wald eine Flugabwehrstellung der US-amerikanischen Streitkräfte. Die Nike-Raketen mit nuklearen Sprengköpfen wurden 1983 abgezogen. Nach Abzug der US-Truppen wurde das Gelände zurückgebaut; die ehemalige Raketenbasis ist seit dem Jahr 2000 frei zugänglich.

Friedenskreuz
Friedenskreuz
Moorfläche
Moorfläche
Friedenstreppe, ehemalige Raketenabschussbasis
Friedenstreppe, ehemalige Raketenabschussbasis

Obstfelder, soweit das Auge reicht

Ich gelangte wieder zurück auf den markierten Wanderweg, Schnee lag teilweise auf dem Weg, der unter meinen Schritten knirschte. Doch bald verließ ich wieder das Waldgebiet und lief an Obstbäumen vorbei. Vor mir erhob sich in der Weite der Taunus. Die Obstplantagen wollten kein Ende nehmen, teilweise wurden gerade Plastikplanen über die in Reihen platzierten Bäume gespannt. Nun ging es auch wieder längere Zeit auf Asphalt entlang.

Der Wanderweg tangiert Mainz-Finthen. Und wieder wanderte ich an Obstbäumen vorbei, im Frühling während der Blüte und im Herbst, wenn die Bäume voll mit Früchten hängen, sicherlich ein toller Anblick. Doch an diesem kalten Februartag waren die Bäume noch kahl. Ein Wegweiser zeigte mir noch 7,7 Kilometer bis zum Ziel.

Blick auf das ehemalige Militärgelände
Blick auf das ehemalige Militärgelände
Finthener Obstfelder
Finthener Obstfelder
Sieben Weiher
Sieben Weiher

Die Sieben Weiher im Lennebergwald

Schließlich tauchte ich in den Lennebergwald ein. Der Kleine Mainzer Höhenweg führte mich an den Sieben Weihern vorbei, von denen jedoch nur noch fünf erhalten sind. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden diese von Baron von Waldthausen zur Fischzucht angelegt.

Kurz nach dem Unterqueren der Autobahn standen drei Esel in einem Gehege. Sie waren ein tolles Fotomotiv, standen sie doch die ganze Zeit still und bewegten sich so gut wie nicht – nur ab und zu drehten sie den Kopf zu mir, hatten aber das Interesse wieder schnell verloren.

Quelle an den Sieben Weihern
Quelle an den Sieben Weihern
Esel
Esel
Im Lennebergwald
Im Lennebergwald

Schloss Waldthausen und gesperrter Lennebergturm

Nun wanderte ich zwar mit Abstand, aber doch parallel zu Autobahn entlang. Mit der Zeit wurden die Verkehrgeräusche leiser und ich erreichte Schloss Waldthausen. Heute beherbergt die Anlage das Bildungs- und Begegnungszentrum der Sparkassenakademie Rheinland-Pfalz.

Die Markierung führte mich um das Schloss herum, ein imposantes Gebäude. Kurz darauf erwartet mich dann bereits der nächste Höhepunkt, der Lennebergturm. Doch leider war der Zugang zum Turm gesperrt, auch der Wanderweg wurde kurzzeitig umgeleitet. Schade, soll doch von der Aussichtsplattform ein toller Blick auf die Umgebung möglich sein.

Schloss Waldthausen
Rückansicht von Schloss Waldthausen
Schloss Waldthausen
Schloss Waldthausen von der Gartenseite
Lennebergturm
Lennebergturm

So lief ich direkt weiter, der Untergrund wurde zunehmend sandiger. Ich erreichte bald den westlichen Zugang zum Waldfriedhof, auch hier weideten zwei Esel im angrenzenden Waldgebiet. Der Kleine Mainzer Höhenweg leitete mich nun um den Friedhof herum, an der Bushaltestelle endete für mich diese Wanderung nach knapp 8¾ Stunden. 

Fazit

Den Kleinen Mainzer Höhenweg absolvierte ich als Trainingstour für den MegaMarsch München an einem Stück. Es wird jedoch empfohlen, die Strecke in drei Etappen zu erwandern, so bleibt genügend Zeit für die Sehenswürdigkeiten am Wegrand. Im Sommer mit starker Sonneneinstrahlung sollte auf ausreichende Flüssigkeit und Kopfbedeckung aufgrund der offenen Landschaft nicht verzichtet werden. Er führt häufig auf Asphalt entlang, teilweise auch auf Schotter und Naturwegen. Unterwegs schweift der Blick immer wieder über die rheinhessische Landschaft, es besteht häufig die Möglichkeit zu einer Rast.

Der Wanderweg ist hervorragend markiert, Wegweiser zeigen die Entfernungen zu den nächsten Zielen an. Aufgrund der Nähe zu Mainz ist ein Ausstieg an mehreren Stellen möglich – öffentliche Verkehrsmittel bringen den Wanderer wieder zu seinem Einstiegspunkt, Zuwege sind markiert.

Karte

Länge: 31,0 km, Anstieg: 350 m, Abstieg: 340 m

Karte