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Wandern und mehr / Mittelpunkt Rheinland-Pfalz und Flughafenblick

Saar-Hunsrück-Steig 16. Etappe

Mittelpunkt Rheinland-Pfalz und Flughafenblick

von Chris

Ein Tosen brandete plötzlich über mir auf, ein Schatten schoss über mich, kurz darauf war ein Zischen in der Luft zu hören, zwei gelbliche Schleier senkten sich herab.

Nach der langen erlebnisreichen Etappe am Vortag, stand diesmal eine gemütliche Teilstrecke von 12 Kilometern an. Die Zuwegung brachte mich vom Ortszentrum in Sohren hinauf zum Saar-Hunsrück-Steig. Der Morgen war sehr dunstig, es tröpfelte leicht, die Aussicht war daher leider sehr eingeschränkt.

Blick auf Sohren
Blick auf Sohren
Am Jüdischen Friedhof
Am Jüdischen Friedhof
Im Jüdischen Friedhof
Im Jüdischen Friedhof

Wie in den letzten Tagen war auch heute der Idarkopf öfter zu sehen, allerdings war er im Dunst fast nur zu erahnen. Im Wald kam ich an einem alten Jüdischen Friedhof vorbei. Ich finde es immer spannend, Friedhöfe zu besuchen: In welcher Zeit lebten die Menschen, wie mögen Sie gelebt haben, gibt es bestimmte Namen, die sich wiederholen. Die hier begrabenen Menschen lebten größtenteils in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, beerdigt wurden sie Anfang des 20. Jahrhunderts. Einige Grabsteine waren allerdings schon ziemlich verwittert und die Inschrift nicht mehr zu lesen.

Umleitung wegen Forstarbeiten
Umleitung wegen Forstarbeiten
Eicheln
Eicheln
Am geografischen Mittelpunkt von Rheinland-Pfalz
Am geografischen Mittelpunkt von Rheinland-Pfalz

Geografischer Mittelpunkt von Rheinland-Pfalz

Kurz darauf war mein Weg wegen Forstarbeiten gesperrt, eine Umleitung war leider nicht ausgeschildert. Dank der OpenStreetMap-Karte auf meinem GPS-Gerät hatte ich aber flugs eine Alternative zur Hand – nur um dann festzustellen, dass auf der anderen Seite die Absperrung entfernt war. Wie soll man denn solche Absperrungen ernst nehmen? Nun ja, ich kam auch so zum geografischen Mittelpunkt von Rheinland-Pfalz. Eine Platte auf einem Stein, auf der Rheinland-Pfalz mit Flüssen und einigen Städten abgebildet war und auf der die Koordinaten angegeben waren. Nun, natürlich übernahm ich diese in mein GPS-Gerät und siehe da – der Mittelpunkt ist gar nicht an dieser Stelle, sondern etwa 230 Meter weiter im Wald gelegen. Natürlich habe ich einen Abstecher dorthin gemacht, und was soll ich sagen: Nahe eines Waldweges gibt es eine mit Moos überwucherte Erhebung, das ist alles.

Geografischer Mittelpunkt von Rheinland-Pfalz
Geografischer Mittelpunkt von Rheinland-Pfalz
Am tatsächlichen geografischen Mittelpunkt
Am tatsächlichen geografischen Mittelpunkt
Kunst am Wegrand
Kunst am Wegrand

Doch wie berechnet man einen geografischen Mittelpunkt? Die praxisnahe Variante ist, einfach die Umrisse des Areals, in diesem Fall also von Rheinland-Pfalz, auf Pappe auszuschneiden und dann so lange auf einem Nagel austarieren, bis die Pappe stabil in der Waagerechten steht. Aber eigentlich ist es nur eine Spielerei, eine gute Beschreibung gibt der Artikel Geographischer Mittelpunkt wider.

Blick auf Hahn
Blick auf Hahn
Flughafen Hahn
Flughafen Hahn
Wegweiser
Wegweiser

So, nach soviel Grübelei lief ich dann auf dem Saar-Hunsrück-Steig weiter, der mich kreuz und quer durch den Wald führte. Der Flugbetrieb am nahegelegenen Flughafen war deutlich zu vernehmen. Ich querte die Landstraße und wanderte an Feldern und Wiesen vorbei. Bei einer kleinen Pause flog plötzlich ein großes Flugzeug im Landeanflug genau über mich, erst da realisierte ich, dass ich genau in der Einflugschneise des Flughafens war. Interessant war auch das Zischen, das wenige Sekunden danach zu hören war. Ich vermute, dass das die Luftverwirbelungen waren. Und der Geruch von Kerosin hing in der Luft. Ein interessantes Erlebnis. Als ich weiterlief, kam der nächste Brummer herunter, diesmal bemerkte ich nichts mehr vom Zischen.

Auf einer Anhöhe sollte man angeblich bis ins Moseltal blicken können – nun ja, ich sah fern im Dunst einige Flächen, die Berge darstellen könnten. Also weiter, der Rastplatz Flughafenblick wartete auf mich. Hier machte ich ausgiebig Pause und schaute dem Trubel auf dem Flughafen zu. Weitere Flieger landeten, andere starteten, unter anderem auch große Frachtflugzeuge. So verging die Zeit, inzwischen hatte sich der Hochnebel verzogen und die Sonne kam heraus. Also beschloss ich, nochmal die 200 Meter auf mich zu nehmen und den Moselblick in Augenschein zu nehmen. Und diesmal sah ich tatsächlich hinab ins Tal.

Blick ins Moseltal
Blick ins Moseltal
Landendes Flugzeug
Landendes Flugzeug
Einstige Schiefergrube Mosella II
Einstige Schiefergrube Mosella II
Landschaft vor Altlay
Landschaft vor Altlay
Mariengrotte
Mariengrotte
Weiher
Weiher

Weiter auf dem Saar-Hunsrück-Steig tauchte ich in den Wald ab, unterwegs kam ich an einigen alten Stollen vorbei, in denen Anfang des 20. Jahrhunderts Schiefer abgebaut wurde. Aber alle waren verschlossen oder verschüttet. Zwischendurch öffnete sich das Blätterdach und gab den Blick auf die Umgebung frei. Mit der Zeit wurden die Taleinschnitte tiefer und steiler, im Talgrund passierte ich eine Mariengrotte. Nun war es nicht mehr weit bis zum heutigen Etappenort, Altlay, es ging nur noch den Schotterweg hinauf und meine Unterkunft „Zur Morschbach” war kurz darauf erreicht. Trotz der kurzen Strecke war ich doch fast 5½ Stunden unterwegs gewesen.

Länge: 12,0 km, Anstieg: 170 m, Abstieg: 205 m

Karte