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Wandern und mehr / Baybachklamm, Ruine Waldeck und Murscher Eselsche

Saar-Hunsrück-Steig 21. Etappe

Baybachklamm, Ruine Waldeck und Murscher Eselsche

von Chris

Die drittletzte Etappe auf dem Saar-Hunsrück-Steig führte mich von der Schmausemühle nach Morshausen – und auch diese Teilstrecke bot einiges für einen Wanderer wie mich. Nach dem leckeren Frühstück in meiner Unterkunft wanderte ich für meine Verhältnisse recht spät um 10 Uhr los. Heute hatte ich viel Zeit, die Strecke betrug knapp elf Kilometer und die nächste Unterkunft öffnete erst um 16 Uhr.

Mächtige Schieferfelsen in der Baybachklamm
Mächtige Schieferfelsen in der Baybachklamm
Am Baybach
Am Baybach
Ehemaliger Stollen, heute Fledermausquartier
Ehemaliger Stollen, heute Fledermausquartier

Baybachklamm

Es folgte die Fortsetzung des Wanderwegs vom Vortag durch die Baybachklamm. Mächtige Schieferfelsen ragten teils meterhoch auf. Ein alter Stolleneingang lag am Wegrand und ist heute Refugium für Fledermäuse. Bald schmiegte sich der Pfad enger an den Bach an und stieg teils in der Höhe auf. Eine Tafel unterrichtete mich darüber, dass in früheren Zeiten im Baybachtal Holzkohle auf Köhlerplätzen hergestellt wurde. Der Boden war auch heutzutage noch etwas geschwärzt.

Am Baybach
Am Baybach
Schieferfelsen
Immer wieder kam ich an Schieferfelsen vorbei
Kletterpassage in der Baybachklamm
Kletterpassage in der Baybachklamm

Und dann kam auch schon die erste seilgesicherte Kletterpassage. Also die Stöcke in die eine Hand genommen und dann die Stelle gemeistert, immerhin war es auf dem feuchten Schiefer rutschig. Mit dem Rucksack hatte ich mehr Gewicht, was ich schon deutlich merkte. Bis auf zwei Wanderer, die mich unterwegs überholten, hatte ich die Klamm für mich alleine. Immer wieder blieb ich stehen und genoss die Ruhe im Tal. Es wuchs das Springkraut am Wegrand, es summte und zwitscherte um mich herum und das Rauschen des Baches war allgegenwärtig. Immer wieder blieb ich stehen und ließ die Idylle auf mich wirken.

Wanderweg am Indischen Springkraut vorbei
Wanderweg am Indischen Springkraut vorbei
Tor zur Ruine Waldeck
Tor zur Ruine Waldeck
Hinweisschild an der Ruine Waldeck
Hinweisschild an der Ruine Waldeck

Burg Waldeck

Nach einem größeren Anstieg verließ ich kurzzeitig den Saar-Hunsrück-Steig und folgte einen unmarkierten Pfad hinauf zur Burgruine Waldeck. Die Natur hatte Besitz von der Anlage genommen, die Mauern ragten zwischen Bäumen und Sträuchern empor. Ein seltener Anblick, meist sind Burgruinen freigelegt und restauriert. Ich verbrachte einige Zeit bei der Erkundung der weitläufigen Ruine.

Die Burg Waldeck wurde während des Pfälzischen Erbfolgekriegs Ende des 17. Jahrhunderts zerstört und im 18. Jahrhundert durch ein Sommerschloss ersetzt. Die Ruine wurde im 20. Jahrhundert als Versammlungsort der Bündischen Jugend bekannt. In den 1960er Jahren fanden in der Anlage die ersten Open-Air-Festivals statt.

Ruinen der Burg Waldeck
Ruinen der Burg Waldeck
Ruinen der Burg Waldeck
Ruinen der Burg Waldeck
Am Baybach
Am Baybach

Nach dem Abstecher ging es wieder hinab in das Baybachtal. An der Roskerbrücke befand sich ein sonniger Rastplatz – toll, eine längere Pause war angesagt. Ich schloss die Augen und genoss wieder die Ruhe – herrlich. Zwischendurch kamen zweimal vier Mountainbiker vorbei, die den Weg zur Mosel suchten – das erste Mal wollten sie dem Saar-Hunsrück-Steig folgen, der war ihnen aber wohl zu steil.

Die Wettervorhersage am Morgen sagte noch bedeckten Himmel voraus – aber mit blauem Himmel und warmen Temperaturen war es mir lieber. Nun war ich schon drei Stunden unterwegs und laut Wegweiser nur 3,4 Kilometer gewandert. Die Baybachklamm war aber auch einfach traumhaft.

Rast an der Roskerbrücke
Rast an der Roskerbrücke
Wanderweg
Wanderweg
Auch andere Wanderwege führen durch den Hunsrück
Auch andere Wanderwege führen durch den Hunsrück

Irgendwann raffte ich mich auf, es warteten ja auch noch einige Höhepunkte auf mich. Bald weitete sich das Tal und der Wanderweg wurde breiter. An der Gastemühle betrat ich wieder die Zivilisation, ein Hund bellte mich an. Bald erreichte ich die Brücke am Perdskimbel. Nun war es vorbei mit dem steigungsarmen Wanderleben. Der Pfad leitete mich zunächst moderat hinauf, eine meiner geliebten Liegebänke mit Blick auf das Eselsche stand bereit für mich.

Landschaft an der Gastemühle
Landschaft an der Gastemühle
Blick auf das Murscher Eselsche
Blick auf das Murscher Eselsche
Scheinbar schwebendes Blatt
Scheinbar schwebendes Blatt

Murscher Eselsche

Das Murscher Eselsche, die mundartliche Variante des Morshausener Eselchen, ist eine Felsformation an der Kellerslay. Der Bergrücken glich früher der Form eines jungen Esels mit Hals und Kopf und den markanten langen Ohren aus zwei großen und schräg stehenden Schieferplatten. Doch warum früher und heute nicht mehr? Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs sprengten Jugendliche mit gefundener Granatmunition den Felsen. Bis auf das Eselchen, das Kopf und Ohren dabei verlor, wurde zum Glück niemand verletzt.

Auf dem Murscher Eselsche
Auf dem Murscher Eselsche
Kletterpassage oberhalb des Murscher Eselsche
Kletterpassage oberhalb des Murscher Eselsche
Wanderweg oberhalb des Murscher Eselsche
Wanderweg oberhalb des Murscher Eselsche

Doch dann müsste ich steil aufwärts. Die Schieferfelsen des Eselsche ragten fast senkrecht auf, der Pfad führte direkt vorbei, immer wieder hatte ich schöne Aussichten hinab in das Baybachtal. Ein herrlicher Ort. Auch diesmal gab es wieder eine mit Seilen gesicherte Kletterstelle, diese meisterte ich mit Bravour. Schließlich hatte ich es geschafft und machte eine Pause am fantastischen Baybachblick, das tief eingeschnittene Tal stach aus der Landschaft heraus.

Aussicht ins Baybachtal
Aussicht ins Baybachtal
Bank mit Aussicht
Bank mit Aussicht
... und wenn die Erde eine Scheibe wäre ...
... und wenn die Erde eine Scheibe wäre ...

Nun folgten weitere tolle Aussichtspunkte, an einem war Burg Bischofstein im Moseltal gut zu sehen. Der Wald wich zurück und von einem Rastplatz blickte ich weit über die Landschaft bis in die Eifel. Es war nicht mehr weit bis Morshausen, eine weitere Liegebank am Ortsrand lockte mich wieder, schien doch die warme Sonne und die Aussicht war grandios. Nach 6½ Stunden erreichte ich schließlich meine Unterkunft, das Gasthaus Schmitt.

Blick zu Burg Bischofstein im Moseltal
Blick zu Burg Bischofstein im Moseltal
Eifelblick
Eifelblick
Liegebank in Morshausen
Liegebank in Morshausen
Länge: 10,9 km, Anstieg: 320 m, Abstieg: 200 m

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