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Wandern und mehr / Bildbachtal und Geierlay

Saar-Hunsrück-Steig 18. Etappe

Bildbachtal und Geierlay

von Chris

Jetzt folge ich der Umleitung schon eine Weile, jetzt biegt sie auch noch weg vom Bachtal, in dem ich eigentlich wandern wollte. Ich blicke auf mein GPS-Gerät, da ist kein Weg in der Nähe, der hinab führt. Okay, dann steige ich eben direkt im Wald hinab zum Bach, dort sollten keine Waldarbeiten mehr stattfinden. Steil geht es abwärts, unterwegs konnte ich gut Tierpfaden folgen – aber ich bin etwas größer als Tiere, immer wieder sind Äste im Weg. Nun bin ich fast unten auf dem Weg, doch da ist nun noch eine Steilkante. Aber die Waldbewohner wissen eben, wo es runter geht. Kurz gefolgt und schon stehe ich auf dem gewünschten Weg und dort ist mein Wegzeichen wieder.

Der Morgen meiner 18. Etappe auf dem Saar-Hunsrück-Steig begann wieder sonnig, der Wegweiser in Blankenrath zeigte mir 14,9 km bis Morsdorf an. Ein Hahn krähte bei meinem Weg durch den Ort. Der Wald empfing mich, nur noch gedämpft drang der Verkehrslärm an mein Ohr. Ein Eichhörnchen lief über den Weg und huschte den Baum hinauf. Ich lasse meine Gedanken treiben. Mist! Ich habe vergessen, Wasser aufzufüllen. Habe ich noch genug vom Vortag? Einen halben Liter vielleicht. Nun ja, das muss dann genügen.

Unterwegs bei Blankenrath
Unterwegs bei Blankenrath
Blick auf die Landschaft vom Vortag
Blick auf die Landschaft vom Vortag
Hanosiusmühle
Hanosiusmühle

Zunächst verlief der Saar-Hunsrück-Steig auf der Höhe entlang, eine Liegebank stand am Wegrand, noch nass vom Morgentau. Außerdem war es noch zu früh für eine Rast. Von einer Lichtung schweift mein Blick über die Landschaft, an den drei Windrändern dort bin ich gestern vorbeigekommen, am Morgen stehen sie still, kein Lüftchen weht. Ich war alleine im Wald und genoss die Ruhe, gelegentlich unterbrochen nur durch den unvermeidlichen Flugzeuglärm.

Hinab zur Hanosiusmühle, sie beherbergt eine Fachklinik für drogenabhängige Menschen, wanderte ich gleich wieder aufwärts. Oben wechselten sich Landwirtschaftsflächen und Waldpassagen ab. Eine Bank, war ich tatsächlich schon wieder eine Stunde unterwegs? Ich setzte den Rucksack ab, schloss die Augen und lauschte den Geräuschen um mich herum – Vogelgezwitscher, Insekten, Flugzeuge, Autos, in der Ferne Motorsägen. Und die Luft war herrlich rein.

Steinerner Wegweiser
Steinerner Wegweiser
Wanderweg auf der Höhe
Wanderweg auf der Höhe
Einstige römische Kleinfestung
Hier befand sich einst eine römische Kleinfestung

Bald lief ich weiter, an einer Straße befand sich eine Infotafel zu einer einstigen Kleinfestung der Römer, einem Burgus. Eine Infotafel berichtete mir: „Durch eine Widerstandsmessung im Erdreich konnte die Festung genau lokalisiert werden, es wurde allerdings nicht gegraben und daher kann auch das Alter nicht bestimmt werden. Burgi wurden im 3. Jahrhundert n. Chr. gebaut, um den Germanen zu trotzen, die das römische Reich herausforderten.” Wie wir inzwischen wissen, hat das wenig gebracht. Nicht weit entfernt versuchte ein Mäusebussard mit seinem Rüttelflug, sein Mittagessen zu fangen – soweit ich beobachten konnte, erfolglos.

Blick zum Moseltal
Blick zum Moseltal
Rekonstruierte römische Grabgärten im Bau
Rekonstruierte römische Grabgärten im Bau
Schockkapelle
Schockkapelle

Der Ausblick war gut, ich konnte weit über die Landschaft schauen, im Moseltal herrschte noch Nebel und ein Teil der Eifel war zu sehen. Am weiteren Weg befanden sich dann Gräben, ich vermutete erst einmal die Rekonstruktion von ehemaligen Festungen, doch dazu waren die Umrisse zu klein. Eine Infotafel etwas weiter entfernt belehrte mich dann, dass es sich um römische Grabgärten handelt, die gerade rekonstruiert wurden. Von Grabgärten der Römer habe ich noch nicht gehört, aber das war auch eine Spezialität im Hunsrück. Die Urnen (es herrschte Brandbestattung vor) wurden in quadratisch angelegte Grabbezirke bestattet, die von einem Wall umgeben waren. Da habe ich doch wieder was gelernt.

Schockkapelle von innen
Schockkapelle von innen
Aussicht von der Schockkapelle
Aussicht von der Schockkapelle
Blick auf Mittelstrimmig
Blick auf Mittelstrimmig

Ein kleiner Abstecher zur Schockkapelle ließ mich erneut weit über das Moseltal zur Eifel blicken. Sie wird so genannt, weil sie im Mittelalter die letzte Station war, bevor ein zum Tode Verurteilter am Galgen hingerichtet wurde. Grausame Zeiten waren das damals. Nach einer längeren Rast zog ich weiter. Erneut breitete sich die Landschaft vor mir aus: Im Tal lag Mittelstrimmig, im Hintergrund befanden sich die Moselberge, und auch Mörsdorf, das heutige Etappenziel war bereits zu sehen. Weit war es ja nicht mehr, aber davor war noch ein Tal zu queren, und das nahm ich jetzt in Angriff. An der Grillhütte in Altstrimmig konnte ich Wasser auffüllen – gut, denn inzwischen sind die Temperaturen ziemlich geklettert.

Mörsdorfer Bachtal und Mörsdorf
Blick zum Mörsdorfer Bachtal und nach Mörsdorf
Ländliche Idylle
Ländliche Idylle
Wanderweg
Wanderweg

Doch hey, was steht da von einer Umleitung? Aber es gibt keine Absperrung, für mich klang das nach einer Bitte, den Weg doch nicht zu benutzen, wegen waldforstlichen Tätigkeiten. Hmm, ich versuche es mal, immerhin ist es am Nachmittag des letzten Tages der Arbeiten. Zumindest der erste Abschnitt war zauberhaft: Der Bildbach schlängelte sich im Tal entlang, ein schmaler Pfad daneben, ab und zu querte ich den Wasserlauf auf einer Brücke. Doch dann kam ich auf einem Forstweg raus und die Maschinen der Forstarbeiter waren schon zu hören. Vielleicht doch keine so gute Idee, den markierten Weg zu laufen? Und dabei war ja auch eine Umleitung ausgeschildert. Also wieder zurück zur Grillhütte und den wunderbar ausgeschilderten Weg genommen. Wenn man sich schon die Mühe macht, wegen fünf Tagen Forstarbeiten eine solche Umleitung auszuschildern, dann laufe ich die jetzt auch.

Umleitungshinweis
Umleitungshinweis
Im Bildbachtal
Im Bildbachtal
Im Bildbachtal
Im Bildbachtal
Im Bildbachtal
Im Bildbachtal
Im Bildbachtal
Im Bildbachtal
Informative Fakten
Informative Fakten

Doch die Umleitung führte immer höher und weg aus dem Tal. Die Aussicht war schon nett, aber schöner wäre es sicherlich unten am Bach. Irgendwann entschloss ich mich dann, die Umleitung zu verlassen – ein Blick auf die Karte auf dem GPS-Gerät zeigte kein Weg, der wieder hinab führt. Macht nichts, ich bin ja geländegängig, also ab durch den Wald und den direkten Weg nach unten. Schließlich kam ich am Bach unversehrt an, ein paar hundert Meter weiter stoße ich auf das Ende der Umleitung. Nun ja, dafür habe ich ja mein Abenteuer gehabt.

Ich begleite den Bildbach noch ein Stück bis zu seiner Mündung in den Mörsdorfer Bach, herrlich diese Ruhe, nur das Plätschern des Baches und meine Schritte waren zu hören. Der Saar-Hunsrück-Steig führte mich nun langsam oberhalb des Bachlaufs entlang, links ging es steil hinab, rechts begrenzen schroffe Schieferfelsen den Weg. Ein Rastplatz oberhalb der Fettsmühle diente der Pause. Nicht weit entfernt ist auch heute noch ein Abwurfkrater zu sehen, der 1945 von Bomben aus einem beschädigten amerikanischen Flieger hervorgerufen wurde.

Wanderweg oberhalb des Mörsdorfer Bachtals
Wanderweg oberhalb des Mörsdorfer Bachtals
Bergkreuz am Förster Kuppe
Bergkreuz am Förster Kuppe
Gesicherter Pfad
Gesicherter Pfad

Ein Stück weiter sah ich ein weißes Kreuz auf der gegenüberliegenden Bergkuppe. Dieses wurde von Veteranen aus dem 1. Weltkrieg errichtet. Der Weg wurde zum Pfad und schlängelte sich am Steilhang entlang – ein kleines Stück war auch extra mit Seilen gesichert. Doch dann war es mit der Waldeinsamkeit vorbei. Am Fünf-Wege-Platz waren einige Spaziergänger unterwegs, die Geierlayschleife führte hier entlang. Und die Hängeseilbrücke war bereits durch die Bäume zu sehen. Im Tal verließ ich dann den Saar-Hunsrück-Steig und wanderte kräftig bergan, zunächst besuchte ich die Kellerlay mit einem erneuten Blick auf die Brücke. Filigran überspannte sie das Tal. Nun war es nicht mehr weit bis zur Brücke selbst.

Felsenpfad
Felsenpfad auf dem Saar-Hunsrück-Steig
Blick von der Kellerlay zur Hängeseilbrücke Geierlay
Blick von der Kellerlay zur Hängeseilbrücke Geierlay
Hängeseilbrücke Geierlay
Hängeseilbrücke Geierlay
Hängeseilbrücke Geierlay
Hängeseilbrücke Geierlay
Hängeseilbrücke Geierlay
Auf der Hängeseilbrücke Geierlay
Am Brückenkopf Mörsdorf der Hängeseilbrücke Geierlay
Am Brückenkopf Mörsdorf der Hängeseilbrücke Geierlay

Und am Brückenkopf erwartete mich dann ein richtiger Zivilisationsschock: So viele Menschen auf einem Haufen hatte ich die letzten Tage nicht erlebt. Nach einer kurzen Rast und Fotopause nahm ich die Überquerung in Angriff, 360 Meter lang ist die Brücke. Der Boden war mit Douglasienholz belegt – gut, so hatte ich weniger Probleme mit meiner Höhenangst. Vor zwei Jahren hatte ich bereits die highline179 in Tirol überquert, der Boden war nur mit Gitterrosten belegt – so konnte man gut auf den Talgrund schauen. Diesmal musste ich mich jedoch nicht festhalten, locker überquerte ich die Brücke und machte eine Rast auf einer Bank. Nach einigen Minuten folgte ich der Geierlayschleife weiter bis nach Mörsdorf zur gemütlichen Pension Platten, die ich nach 7½ Stunden erreichte.

Länge: 16,8 km, Anstieg: 325 m, Abstieg: 385 m

Karte