Du bist hier:

Wandern und mehr / Herrgottstein und idyllische Bachtäler

Saar-Hunsrück-Steig 3. Etappe

Herrgottstein und idyllische Bachtäler

von Chris

Es war im Frühjahr des Jahres 1351, Kurfürst und Erzbischof Balduin von Trier kam an die Saar, um den Raubritter Jakob von Montclair zu züchtigen. Das ganze Kriegsvolk bezog am Abend ein Lager am Herrgottstein. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, da las der Erzbischof auf einem niedrigen Felsplateau die heilige Messe im Beisein seiner ganzen Kriegerschar. Die Sonne ging auf und man sah in der Ferne die trotzige Festung Montclair. Balduin und sein Heer wussten, dass ihnen ein harter Kampf bevorstand. Die Geschichte berichtete uns, dass das Raubnest nach achtmonatiger Belagerung in seine Gewalt kam.

Bei dieser Teilstrecke hatte ich die beiden empfohlenen Etappen von Mettlach nach Britten und von Britten zum Stausee Losheim aufgrund der „kurzen” Weglänge von jeweils knapp 12 Kilometern zusammengelegt. Daher ging es für mich bereits früh um 7:45 Uhr los. Zu Beginn lief ich durch die Fußgängerzone und im Abteipark am Living Planet Square des WWF und dem Alten Turm vorbei. Das WWF-Kunstwerk wurde anlässlich der EXPO 2000 in Hannover erschaffen. Ungewohnterweise war nun ein längeres Stück Stadt angesagt. Schließlich wanderte ich einen Pfad im Wald zum Schloss Ziegelberg vorbei. Im Park standen einige Prachtexemplare von Mammutbäumen – ein immer wieder gerne gesehener Anblick.

Langweiher in Mettlach
Langweiher in Mettlach
Living Planet Square vom WWF
Living Planet Square vom WWF
Alter Turm in Mettlach
Alter Turm in Mettlach
Im Alten Turm
Im Alten Turm
Schloss Ziegelberg
Schloss Ziegelberg
Kreuz auf dem Herrgottstein
Kreuz auf dem Herrgottstein

Herrgottstein

Zunächst verlief der Weg noch eben, doch dann verließ ich auf einem Waldpfad das Saartal und wanderte kräftig bergan. Bei einem Aussichtpunkt blickte ich ein letztes Mal hinab nach Mettlach und die Saar, das Brausen der Autos drang bis hier herauf. Nicht weit entfernt passierte ich den Herrgottstein. Zum Andenken an jene heilige Messe, die Erzbischof Balduin vor dem Angriff auf Burg Montclair hielt, wurde das Kreuz errichtet. Seitdem heißt der Berg „Herrgottstein”.

Pony auf einer Weide bei Saarhölzbach
Pony auf einer Weide bei Saarhölzbach
Blick auf Saarhölzbach
Blick auf Saarhölzbach
Wanderweg auf der Höhe
Wanderweg auf der Höhe

Nun war ich oben angelangt, ich wanderte an Koppeln und Wiesen vorbei und blickte auf Saarhölzbach. Beim Hof Pitzwald muhte eine Rinderherde mit jungen Kälbern auf der Weide. Moderat führte mich der Saar-Hunsrück-Steig weiter aufwärts. Beim Zurückschauen blickte ich über die Hochebene, die Windräder auf den fernen Hügeln waren teilweise im Bau und kamen mir bekannt vor, dort lief ich zu Beginn der vorherigen Etappe entlang.

Wiesenlandschaft
Wiesenlandschaft
Alter Baumstamm mit Wegzeichen
Alter Baumstamm mit Wegzeichen
Petterbur
Petterbur

Schließlich wanderte ich in den Wald hinein und auf einem herrlichen Pfad am Petterbur, einer Quelle, vorbei, Die Ruhe des Waldes umgab mich: Das Plätschern der Quelle und des Baches und das Gurren einer Taube. Im Saarhölzbachtal lief ich an einigen Fischweihern vorbei und das Tal hinauf. Die Sonnenstrahlen schienen durch das Blätterdach und kitzelten mein Gesicht. Ein Rastplatz am Bach kam mir gerade recht, um den Rucksack abzusetzen und eine Pause zu machen. Ich genoss die Natur um mich.

Im Petersbornbachtal
Im Petersbornbachtal
Weiher im Saarhölzbachtal
Weiher im Saarhölzbachtal
Im Saarhölzbachtal
Im Saarhölzbachtal

Im weiteren Verlauf folgte der Saar-Hunsrück-Steig der ehemaligen Grenze zwischen dem Saargebiet und Deutschland aus der Zeit nach dem 1. Weltkrieg. Die Grenzsteine stehen auch heute noch. Moosbewachsene Bäume lagen umher. Schließlich lichtete sich der Wald und ich erreichte zur Mittagszeit die Abzweigung nach Britten, an der die empfohlene Etappe endet. Einige Windräder begrüßten mich auf der Höhe und leider auch wieder der Verkehrslärm der nahen Straße.

Ehemaliger Grenzstein zwischen Saargebiet und Deutschland
Ehemaliger Grenzstein zwischen Saargebiet und Deutschland
Moosbewachsene Baumstümpfe im Saarhölzbachtal
Moosbewachsene Baumstümpfe im Saarhölzbachtal
Kilometer 42 ist erreicht
Kilometer 42 ist erreicht

Nun war wieder langsam eine Rast fällig, eine Sitzbank in der Nähe eines der Windräder kam daher gelegen. Das Rauschen der Rotoren war deutlich zu vernehmen. Während meiner Pause passierten mich zwei Wanderer, die ich bereits am Vortag auf der Cloef gesehen habe und die den Steig ebenfalls erwanderten. Ein dritter kam wenig später und gesellte sich zu mir.

Anhöhe bei Britten
Anhöhe bei Britten
Weitblick bei Britten
Weitblick bei Britten
Baumreihe
Baumreihe

Bald machte ich mich auf den weiteren Weg, diesmal durch Wald und Flur. Ein Tagpfauenauge erregte meine Aufmerksamkeit, setzte er sich doch nicht weit von mir entfernt ins Gras und breitete seine Flügel aus. Bald flog er wieder davon und ich lief nun ins idyllische Panzbachtal hinunter. Bei einer Pause habe ich doch glatt meine Trekkingstöcke vergessen, zum Glück war ich noch nicht weit weg – was mich nicht im Kopf hat, muss man eben in den Beinen haben.

Tagpfauenauge
Tagpfauenauge
Im idyllischen Panzbachtal
Im idyllischen Panzbachtal
Rastplatz mit Saarlandblick
Rastplatz mit Saarlandblick

Der Saar-Hunsrück-Steug leitete mich an dem Ort Bergen vorbei und am Rodenbach über Stock und Stein entlang. Ich folgte einem wunderschönen Pfad und hielt immer wieder inne und genoss die Ruhe. Leider war dieser Wegabschnitt viel zu kurz und es ging wieder auf einen Forstweg. Doch nicht lange, der nächste Pfad kam und führte mich an einem großen Felsen vorbei, vor dem viele Steinmännchen standen. Hier gab es eine Rastbank, leider bereits besetzt und die Hunde kläfften mich an. Also nichts wie weiter. Es wurde wieder still und der Waldboden dämpfte meine Schritte. Doch immer wieder drangen im weiteren Verlauf Zivilisationsgeräusche an mein Ohr.

Bald öffnete sich die Landschaft und mein Blick schweifte über einen großen Teil des Saarlands (wie mich der Wanderführer informierte). Der Wegweiser zeigte noch 5,6 Kilometer an und am Wegrand stand erneut eine überdachte Sitzbank. War ich seit der letzten Pause wirklich schon wieder eine Stunde unterwegs gewesen? Ich versuche bei Touren mit Gepäck, etwa jede Stunde zumindest einige Minuten Pause zu machen, den Rucksack abzusetzen, was zu trinken und innezuhalten.

Orchideen am Wegrand
Orchideen am Wegrand
Landschaft mit Wolken
Landschaft mit Wolken
Stausee Losheim
Stausee Losheim

Nun ging es hinab ins Metzerbachtal, hier hat sich der Bach tief in den Untergrund eingegraben. Inzwischen hatte sich der Himmel zugezogen, es wurde düster im Wald. Doch das Zwielicht dauerte nicht lange an, ich kam auf eine Lichtung und das Mannsknabenkraut blühtre am Wegrand.

Schließlich erreichte ich den Stausee, inzwischen wurde der Rucksack immer schwerer, und meine Beine ebenso. Auf einem schönen Pfad wanderte ich am See entlang, doch bald drehte der Saar-Hunsrück-Steig noch eine Schleife hinauf in den Wald – unerwartet und ich wollte doch nur zu meiner Unterkunft. Aber ich lief den Weg tapfer ab. Nach ziemlich genau acht Stunden unterwegs erreichte ich das Seehotel, an dem meine heutige Etappe endete. Ich war ziemlich platt, aber auch glücklich, diese schöne Strecke gelaufen zu sein.

Länge: 23,7 km, Anstieg: 600 m, Abstieg: 435 m

Karte