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Wandern und mehr / Kupferbergwerk und Mittelalterstadt

Saar-Hunsrück-Steig 12. Etappe

Kupferbergwerk und Mittelalterstadt

von Chris

Viele Jahre schon wurden im Bergwerk Birfinck Erze abgebaut. Zur Jahreswende 1592/93 herrscht hier Ruhe. Doch mit einem Mal unterbricht ein dumpfes Grollen die Stille, die Erde öffnet sich, ein großes Loch entsteht. Immer wieder stürzen die Ränder des Bruches nach. Doch mit der Zeit kommen die Bruchmassen zur Ruhe, in der entstandenen Talsohle liegen Gesteine wirr durcheinander. Vermutlich ist man beim Abbau zu nahe an die Oberfläche gekommen oder es wurden Fehler bei der Stützung des Bergwerks gemacht. Zum Glück kommt bei der bergmännischen Katastrophe keine Menschen zu Schaden, der Betrieb des Bergwerks ist allerdings stark eingeschränkt.

Als ich am Morgen aus dem Fenster schaute, war es noch neblig. Beim Start kam schon der blaue Himmel durch. Beim Gang durch die Fußgängerzone in Oberstein blickte ich hinauf zur Felsenkirche und darüber thronte die Ruine Bosselstein.

Blick auf die Felsenkirche und die Ruine Bosselstein
Blick auf die Felsenkirche und die Ruine Bosselstein
Ruine Bosselstein oberhalb von Idar-Oberstein
Ruine Bosselstein oberhalb von Idar-Oberstein
Idar-Oberstein mit Ruine Bosselstein und Schloss Oberstein
Idar-Oberstein mit Ruine Bosselstein und Schloss Oberstein

Doch dann stand der kräftige Anstieg an, der mich zum Einstieg am Saar-Hunsrück-Steig brachte. Trotz der frischen Temperaturen von 5° wurde mir schnell warm. Auf einer Anhöhe blickte ich auf Schloss Oberstein, Burg Bosselstein und hinab in das Nahetal nach Oberstein. Teilweise verdeckten Nebelschwaden noch die Berge.

Sonne und Nebel oberhalb des Nahetals
Sonne und Nebel oberhalb des Nahetals
Brücke über Graben
Hier beginnt die „schwierige Wegstrecke”
Der Pfad ist seilgesichert
Der Pfad ist seilgesichert

Am Götzplatz vorbei wanderte ich in den Wald hinein. An einer Abzweigung informierte eine Tafel über den kommenden schwierigen Wegabschnitt auf den Heinzenberg. Natürlich lief ich diesen Pfad, innerhalb kurzer Zeit überwand ich etliche Höhenmeter. Der Pfad war mit Halteseilen gesichert, die Anstrengung würde mit einem Blick über das Nahetal belohnt.

Auf einem Spinnennetz glitzerte der Morgentau in der Sonne. Der Abstieg war rutschig, auch ragten die Halteseile immer wieder in den Pfad hinein, was doch etwas störte. Leider begleitete mich auf der Strecke der Verkehrslärm aus dem Tal. Am Naturschutzgebiet Altenberg lief ich auf einem herrlichen Pfad, immer wieder boten sich Ausblicke in das Nahetal.

Spinnennetz am Wegrand
Spinnennetz am Wegrand
Wandern durch einen grünen Tunnel
Wandern durch einen grünen Tunnel
An der Nahe
An der Nahe

Der Saar-Hunsrück-Steig leitete mich ins Tal hinab, dort wies mich eine Infotafel auf das nahe Naheufer hin. Und wieder ging es nun aufwärts, diesmal zum Rastplatz Naheblick. Die Aussicht auf Mediamarkt & Co war nicht so berauschend, dafür aber die Liegebank mit Südausrichtung. Herrlich, nach den letzten Tagen mit Regen konnte ich nun wieder Sonne tanken.

Am Rastplatz Naheblick
Am Rastplatz Naheblick
Wanderweg im Ringelbachtal
Wanderweg im Ringelbachtal
Liegebank am Wanderweg
Liegebank am Wanderweg

Es folgte ein schweißtreibender Anstieg im Wald. Doch nach jedem Aufstieg geht es auch wieder hinab, diesmal in das Ringelbachtal. Hier gab es nun die ersehnte Ruhe, keine Zivilisationsgeräusche waren zu hören, nur das Murmeln des Baches. Moderat ansteigend wanderte ich nun am Bachlauf entlang hinauf, der kleine Bachlauf hatte sich teils tief in das Tal eingegraben.

Schließlich öffnete sich der Wald, saftige grüne Wiesen erwarteten mich. Auf dem Gilzberg breitete sich vor mir eine sanfte Hügellandschaft aus. Ich tauchte wieder in den Wald ein, auf größtenteils tollen Pfaden wanderte ich mal auf, mal ab. Das Wechselspiel von Sonne und Schatten im Wald genoss ich ebenso wie die Ruhe.

Wolken ziehen am Himmel auf
Wolken ziehen am Himmel auf
Indisches Springkraut
Indisches Springkraut
Willkommen in Fischbach
Willkommen in Fischbach

Schließlich führte mich der Saar-Hunsrück-Steig kräftig bergab ins Fischbachtal, dem Tor zur Edelsteinstraße, wie ein Schild mir berichtete. Hinauf ging es nun zur Abwechslung, zunächst durch Wald, später an Wiesen vorbei. Vom Neuwiesenberg blickte ich hinab nach Fischbach. Vorbei an Wiesen entdeckte ich eine Liegebank und machte es mir dort gemütlich. Doch leider währte mein Glück nicht lange, begann es doch zu tröpfeln. Also machte ich mich auf die Socken und lief hinab in den Wald. Dort geschah im 16. Jahrhundert eine bergmännische Katastrophe, brach doch ein Bergwerk dort ein.

Neuwiesenberg bei Fischbach
Neuwiesenberg bei Fischbach
Auf dem Neuwiesenberg
Auf dem Neuwiesenberg
Blick vom Neuwiesenberg auf Fischbach
Blick vom Neuwiesenberg auf Fischbach
Auf der Liegebank oberhalb des Hosenbachtals
Auf der Liegebank oberhalb des Hosenbachtals
Bergmännische Katastrophe
Bergmännische Katastrophe
Eingang zum Fischbacher Kupferbergwerk
Eingang zum Fischbacher Kupferbergwerk

Bald darauf gelangte ich zu der Abzweigung zum einstigen Kupferbergwerk. Den Zuweg von 900 Metern meisterte ich mit Bravour und konnte auch noch an der gleich stattfindenden Führung teilnehmen – was für ein Timing. Meinen Rucksack könnte ich unterstellen, dann nichts wie auf mit dem Helm und ab in die Grube.

Im Fischbacher Kupferbergwerk
Im Fischbacher Kupferbergwerk
Kupferverbindungen an der Bergwerksdecke
Kupferverbindungen an der Bergwerksdecke
Szene im Fischbacher Kupferbergwerk
In das Bergwerk wurde auf Kiefernstämmen abgestiegen

Dort erfahren ich Interessantes über die Grube selbst und vor allem über die Arbeitsbedingungen, die dort herrschten. In 12-Stunden-Schichten arbeiteten die Männer untertage, ausgerüstet nur mit ihrem Werkzeug und dem Frosch, einer Öllampe, die auch genau 12 Stunden brannte. Sie hatten bestimmte Privilegien, so unterlagen sie nicht der Bartsteuer. Sie waren auch recht kleinwüchsig, eine Folge von den Dämpfen, die sie als Kinder bei der Arbeit an der Abscheidung des Kupfers abbekamen. Nun weiß ich auch, woher die Zwerge kommen. Die einzelnen Berufe waren gut dargestellt. Manchmal war das Malachit an den Wänden zu sehen, ein bläulich-grünes Mineral, das Kupfer enthält.

Der Berggeist im Bergwerk besteht aus Kalksinter
Der Berggeist im Bergwerk besteht aus Kalksinter
Der Hundstößer im Kupferbergwerk
Der Hundstößer im Kupferbergwerk
Landschaft oberhalb des Hosenbachtals
Landschaft oberhalb des Hosenbachtals

Zurück auf dem Saar-Hunsrück-Steig führte dieser nun durch das Hosenbachtal, allerdings auf einem Pfad hoch über dem Bach entlang. Bald öffnete sich das Tal, nun wechselten sich wieder Wiesen und Wälder ab. Ich genoss die Ruhe, der Weg leitete mich hoch und runter.

Aussicht vor dem Abstieg nach Herrstein
Aussicht vor dem Abstieg nach Herrstein
Fachwerkhäuser in Herrstein
Fachwerkhäuser in Herrstein
Uhrturm in Herrstein
Uhrturm in Herrstein

Bald kam ich aus dem Wald heraus und hatte eine tolle Aussicht auf die umliegende Hügellandschaft, Pferde graste auf der Weide. Nun dauerte es nicht mehr lange und nach einem letzten Abstieg erreichte ich Herrstein nach etwas über acht Stunden auf Achse. Der mittelalterliche Ortskern ist sehenswert, der Wanderweg führte mich hinein. Der Uhrturm ist das Wahrzeichen des Ortes und nicht weit entfernt befand sich meine Unterkunft in der Pension Hansen.

Länge: 22,6 km, Anstieg: 790 m, Abstieg: 730 m

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