Du bist hier:

Wandern und mehr / Ochsenbruch, Siegfrieds Quelle und Erbeskopf

Saar-Hunsrück-Steig 9. Etappe

Ochsenbruch, Siegfrieds Quelle und Erbeskopf

von Chris

Die beiden Gefährten sind nun schon einige Stunden auf einem Jagdzug durch den Hochwald unterwegs. Bisher waren sie erfolgreich, sie haben einiges an Wild erlegt, doch nun steht die wohlverdiente Rast an. Eine Quelle kommt da gerade recht, können sie sich doch erfrischen. Siegfried geht in die Knie, um besser das Wasser des Quells mit seinen Händen aufnehmen zu können. Hagen sieht seine Chance gekommen, die Stelle ist gut sichtbar markiert, er stößt zu und trifft den Drachentöter mit seinem Spieß zwischen den Schultern. Tödlich getroffen bricht Siegfried zusammen.

Diese Etappe war die längste Tagesstrecke auf dem Saar-Hunsrück-Steig. Beim Frühstück regnete es immer wieder, als ich gegen 8:15 Uhr aufbrach, war es zumindest von oben trocken und auch einige kleine blaue Flecken am Himmel waren zu sehen, es war allerdings sehr windig. Über die Zuwegung erreichte ich wieder den Saar-Hunsrück-Steig, der mich in den Wald hinein und gleich aufwärts führte. Der Wind ließ immer wieder die Tropfen von den Blättern nach unten rieseln.

An der Alten Mühle in Börfink
An der Alten Mühle in Börfink
Am Ochsenbruch
Am Ochsenbruch
Hinweisschild zur neuen Wegführung
Hinweisschild zur neuen Wegführung

Der Ochsenbruch war die erste Station auf der heutigen Teilstrecke, das Moor überquerte ich auf einem Holzsteg. Es handelt sich um ein sogenannentes Niedermoor, in ihm wachsen seltene Pflanzen wie Arnika, Wollgras und Moorheide, auch sind Moorbirken, Krüppelbuchen und Borstengrasrasen charakteristisch. Auch Tiere, wie die Mosaikjungfer, eine Libellenart, fühlen sich hier wohl.

Die Gräben im Ochsenbruch sollen verschlossen werden und der Wasserhaushalt wieder hergestellt werden. Diese wurden vor einigen Jahrzehnten angelegt, um es zu entwässern und besser an das Holz von Bäumen zu gelangen. Moore speichern viel Kohlenstoff und Wasser im Torf und schützt damit das Tal vor Hochwasser.

Es regnete nun leicht und wieder im Wald wurde es richtig düster. Der Saar-Hunsrück-Steig leitete mich nun kreuz und quer, auf und ab durch den Wald zu Siegfrieds Quelle. Der Name kommt nicht von ungefähr, soll doch an diesem Ort Siegfried durch Hagen von Tronje getötet worden sein. Nun, das behaupten einige Quellen von sich, unter anderem der Siegfriedsbrunnen im Odenwald. Doch Hagen von Tronje, wie er im Nibelungenlied genannt wird, stammte wohl aus dem Hunsrück, genauer aus Dhronecken, wo er eine Burg besaß.

Siegfrieds Quelle
Siegfrieds Quelle
Schild
Schild
Baumpilze
Baumpilze

Nach einer kleinen Rast wanderte ich weiter, es ging auf Wiesenwegen, Waldpfaden und auf Schotter mehr oder weniger bergan. Zwischendurch regnete es immer wieder und der Wind rauschte in den Wipfeln der Bäume. Ich war für mich alleine, es war ruhig, nur meine Schritte und das Klackern der Trekkingstöcke war zu vernehmen.

Auf dem Gipfel des Erbeskopf angekommen, schickte die Sonne kurz einen Gruß durch die Wolken. Am Windklang war es doch sehr windig, so dass ich flott weiter lief, nicht, ohne noch einige Bilder zu schießen. Doch auf der Liegebank unterhalb der Skulptur war es mehr geschützt, bei einer längeren Rast genoss ich die Aussicht, die Sonne zeigte sich nun häufiger.

Auf dem Erbeskopf
Auf dem Erbeskopf
Aussichtsturm auf dem Erbeskopf
Aussichtsturm auf dem Erbeskopf
Blick vom Aussichtsturm auf dem Erbeskopf
Blick vom Aussichtsturm
Skulptur Windklang auf dem Erbeskopf
Skulptur Windklang
Skulptur Windklang auf dem Erbeskopf
Skulptur Windklang
Aussicht von der Liegebank am Erbeskopf
Aussicht von der Liegebank am Erbeskopf

Ich verließ nun den Nationalpark Hunsrück-Hochwald, der Saar-Hunsrück-Steig führte mich abwärts und nach dem Hunsrückhaus tauchte ich wieder in den Wald ein. Zwischendurch ging über mir ein Wolkenbruch nieder, doch die Bäume hielten das meiste von mir ab. Bald unterquerte ich das Deuselbacher Viadukt, immer wieder gab es kurzzeitige Schauer, aber auch die Sonne zeigte sich ab und zu – Aprilwetter im September.

Bach am Wegrand
Bach am Wegrand
Wegkreuz
Wegkreuz
Deuselbacher Viadukt
Deuselbacher Viadukt

Schließlich endete der Wald, ich betrat eine Wiesenlandschaft. Auf dem Gras glitzerten die Regentropfen in der Sonne. Auf der Weide standen Kühe mit ihren Kälbern. Der Kontrast zwischen dunklen Wolken, blauem Himmel und Sonnenschein war grandios. Die Wolkenschatten flogen über die Landschaft, auch eine gute Tat habe ich vollbracht: Ich drehte einen Mistkäfer wieder richtig herum. Schafe mit schwarzen Köpfen, Dorper Schafe, grasten auf einer Wiese.

Landschaft bei Deuselbach
Landschaft bei Deuselbach
Weide bei Morscheid
Weide bei Morscheid
Dorper Schafe
Dorper Schafe

Doch nun ging es nochmals aufwärts und zwei Mal unter dem Hoxeler Viadukt hindurch. Dieses gehört zur Hunsrückquerbahn, die Bahnstrecke ist inzwischen stillgelegt. Leider übertönte der Lärm des nahen Steinbruchs die Ruhe im Tal. Ein Rastplatz unterhalb des Viadukts war ein willkommener Anlass, den Rucksack wieder einmal abzusetzen. Inzwischen dominierte auch die Sonne am Himmel.

Indisches Springkraut
Indisches Springkraut
Hoxeler Viadukt
Hoxeler Viadukt
Hoxeler Viadukt
Hoxeler Viadukt

Ein Anstieg stand noch nach Hoxel an. Auf der Höhe hatte ich einen herrlichen Blick auf die Umgebung. Nach dem Ort begann ein weiterer Anstieg, inzwischen war ich doch ganz schön geschafft – und noch sechs Kilometer bis Morbach.

Es schloss sich ein breiter Forstweg an, inzwischen war ich dankbar dafür, konnte ich doch so Strecke machen. Ein Abzweig auf einen Grasweg, noch 4,6 Kilometer zeigte der Wegweiser an. Im Tal ist die Straße zu hören, der Weg ist von Wildschweinen aufgewühlt. Doch dann wieder ein Forstweg, ich kam gut voran und war nun schon 7½ Stunden unterwegs. Ein Mofafahrer überholte mich, stinkende Abgase, hallo Zivilisation. Wieder ein Pfad mit Anstieg, mir wurde warm, das Herz pochte. Da, ein Rastplatz, Pause, Nüsse. Das GPS-Gerät zeigte 27,4 Kilometer an – es übertreibt aber meist. Nur noch 1,5 Kilometer bis zur Unterkunft – Luftlinie.

Landschaft bei Morscheid
Landschaft bei Morscheid
Trittsteine
Trittsteine
Am Nixenweiher
Am Nixenweiher

Da ist eine dunkle Wolke, ich geh besser weiter. Nun Schotter- und Wiesenwege, es fängt an zu regnen. Laufe in den düsteren Wald, dafür kommen dort die Regentropfen nicht an. Die Bäume lichten sich, der Regen ist vorbei. Ich erreiche den Nixenweiher, zum Wassertreten ist es mir zu kühl – Ausrede? Vielleicht. So langsam sehne ich mich nach einer heißen Dusche. Aber eine kleine Pause an diesem idyllischen Ort ist drin. Das Wasser des nahen Brunnens plätschert in den Bach – entspannend.

Kneippanlage im Nixenweiher
Kneippanlage im Nixenweiher
Am Ortelsbruch
Am Ortelsbruch
Gleise der stillgelegten Hunsrückquerbahn
Gleise der stillgelegten Hunsrückquerbahn

Nun lief ich noch durch den Ortelsbruch, just kam wieder die Sonne kurzzeitig heraus und tauchte das Moor in bunte Farben – genau richtig für ein Foto. An einer Abzweigung verließ ich den Saar-Hunsrück-Steig und folgte der Zuwegung, dabei überquerte ich die Gleise der Hunsrückquerbahn. Keine 700 Meter und ich gelangte nach etwa 9 Stunden zu meiner Unterkunft, dem Landhaus Am Kirschbaum.

Länge: 26,1 km, Anstieg: 630 m, Abstieg: 670 m

Karte