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Wandern und mehr / Über Schwarzwaldhöhen zu den Teufelskammern

Große Runde über die Teufelsmühle

Über Schwarzwaldhöhen zu den Teufelskammern

von Chris

Der Teufel hatte mit einem Müller vereinbart, dass er seine Seele bekäme, wenn er, der Fürst der Finsternis, es schaffen würde, das gesamte Korn zu mahlen, bevor der erste Hahn krähte. Zufälligerweise hieß der Müller mit Nachnamen Hahn, und so krähte der Müller früh am Morgen ...

Die Umgebung bei Bad Herrenalb im nördlichen Schwarzwald ist immer eine Wanderung wert. Ende September entschied ich mich für die Tour auf dem Qualitätswanderweg „Große Runde über die Teufelsmühle”.

Ich begann meine Wanderung am Bahnhof in Bad Herrenalb. Entlang des Kurparks, in dem vor kurzem die Landesgartenschau geendet hatte, ging es zunächst zum Rathausplatz. Hier befand sich eine Karte der bevorstehenden Wanderung. Die Bilder auf der Karte sahen schon einmal interessant aus, es gab aber keine einheitliche Wegmarkierung, mal führte die blaue Raute, mal die gelbe Raute.

Wanderkarte Große Runde über die Teufelsmühle
Karte am Rathausplatz
Klosterkirche in Bad Herrenalb
Klosterkirche in Bad Herrenalb
Wegweiser
Wegweiser

Zunächst lief ich an der alten Klosterkirche vorbei und ein Stück durch die Stadt. Steil führte mich eine Straße aufwärts und in den Wald hinein. Trotz der morgendlichen Kühle wurde es mir schnell warm. Unterwegs begegnete mir keine Menschenseele, einige Vögel waren zu hören, meine Schritte knirschten auf dem Schotter. Schließlich war die größte Steigung erst einmal geschafft, der Weg flachte ab und leitete mich an der Hirschwinkelhütte vorbei. Die herbstlichen Bäume wurden von der Sonne angestrahlt, das Laub leuchtete in bunten Farben. Noch ein Stück Wald und ich trat hinaus in eine Weiden- und Wiesenlandschaft der Talwiese. Zwei Pferde standen auf einer Koppel, ich erreichte das Skiheim.

Wegweiserstein
Wegweiserstein
An der Talwiese
An der Talwiese
Blatt mit Wassertropfen
Blatt mit Wassertropfen

Nun folgte einem Stück Asphaltweg, doch es dauerte nicht lange und ich hatte wieder angenehmen Waldboden unter meinen Füßen. Ich übersah eine Abzweigung, merkte meinen Irrtum nach etwa 400 Metern bei einem Blick auf das GPS-Gerät. Mist, also wieder ein Stück hinab und auf den richtigen Weg. Das war auch gut so, denn der folgende Abschnitt war der erste Höhepunkt: es ging auf dem Brudesweg zwar wieder kräftig bergan, doch der steinige Weg hatte seinen Reiz: Überall lagen moosbewachsene Steine umher, das Moos bedeckte auch liegende Baumstämme. Immer wieder blieb ich stehen und genoss diesen Anblick. Dazu herrschte eine Ruhe, toll.

Auf dem Brudesweg
Auf dem Brudesweg
Moosbewachsene Steine
Moosbewachsene Steine
Steinerne Bank
Steinerne Bank
Pilz am Wegrand
Pilz am Wegrand
Moosbewachsene Felsen
Moosbewachsene Felsen
Aussicht von der Hahnenfalzhütte
Aussicht von der Hahnenfalzhütte

Bald erreichte ich die Hahnenfalzhütte, hier war es erst einmal vorbei mit der Einsamkeit, Wanderer aus allen Richtungen kamen vorbei. Dafür konnte ich mich nun zum ersten Mal an der Aussicht erfreuen, befand ich mich doch nun auf einer Höhe von über 800 Meter. Nach einer kleinen Pause wanderte ich einen Forstweg moderat aufwärts, die Markierung wechselte von der blauen zur gelben Raute. Immer wieder blickte ich zurück und weit über die Landschaft.

Hinweisschild
Hinweisschild
Fernblick unterhalb des Langmartskopfs
Fernblick unterhalb des Langmartskopfs
Auf dem Langmartskopf
Auf dem Langmartskopf

Teufelsmühle

Über einen kleinen Pfad gelangte ich auf den Langmartskopf, mit 913 Metern der höchste Punkt der Tour. Auf einem tollen Pfad ging es nun auf dem Grat entlang, nun wieder der blauen Raute folgend. Entlang des Pfads bezeugten Grenzsteine die frühere Grenze zwischen Baden und Württemberg. Inzwischen ging es zu wie auf einer Autobahn zu, ständig begegneten mir Wanderer, einzeln und in größeren Gruppen. Verständlich, war die Teufelsmühle mit Einkehrmöglichkeit nicht mehr weit. Diese erreichte ich auch bald, der Außenbereich der Gaststätte war voll belegt. Ich lief gleich weiter zum Aussichtsturm. Nach dem Aufstieg konnte ich hinab in das Murgtal blicken, die Rheinebene war noch leicht im Dunst zu erkennen. Drachenflieger flogen von der nahen Startrampe los und über das Tal, teilweise zählte ich bis zu neun Paraglider in der Luft. Und es war ganz schön frisch hier oben.

Auf der Teufelsmühle, wie der Berg heißt, sucht man eine Mühle vergeblich. Um den Namen rankt sich die Sage, mit der ich diesen Artikel eingeleitet habe.

Steinmännchen
Steinmännchen
Grenzstein mit badischem Wappen
Grenzstein mit badischem Wappen
Teufelsmühlturm
Teufelsmühlturm
Blick vom Teufelsmühlturm in das Murgtal
Blick vom Teufelsmühlturm in das Murgtal
Drachenflieger
Drachenflieger
Grenzstein auf der Teufelsmühle
Grenzstein auf der Teufelsmühle

Teufelskammern

Nach einer längeren Rast folgte ich weiter dem Wanderweg, nun abwärts und an der Sternwarte vorbei. Teilweise wanderte ich steil den Pfad hinab und gelangte zu einer Infotafel zu den Teufelskammern. Diese beeindruckende Sandsteinhöhle ist etwas verborgen und über einen kleinen, ausgesetzten Stichpfad zu erreichen.

Auch zu den Teufelskammern rankt sich eine Sage: „Einmal ging ein Mann an den Teufelskammern vorüber. Da kam ein Erdweib heraus und sagte zu ihm: ‚Du hast ja nichts an deinem Hut; wart, ich will dir einen Strohhalm darüber binden.’ Der Mann meinte zwar: ‚Ach, was soll ich damit?’, aber das Erdweible sagte: ‚Lass mich nur machen’ und band ihm den Strohhalm um den Hut. Als der Mann heimkam, hatte er einen Goldreif rings um seinen Hut.”

Warnhinweis an den Teufelskammern
Warnhinweis an den Teufelskammern
Teufelskammern
Teufelskammern
In den Teufelskammern
In den Teufelskammern

Geologisch gesehen handelt es sich bei den Teufelskammern um höhlenartige Erosionsformen im Mittleren Buntsandstein. Durch Absanden weicherer Sandsteine unter der verkieselten (und damit härteren) Buntsandsteinschicht, entstanden diese Grotten, die Sandsteinpfeiler stützen dabei den Innenraum. Im 19. Jahrhundert soll diese Höhle Schmugglern und Wilderern als Unterschlupf gedient haben.

Weitblick
Weitblick
Herbstwald beim Abstieg in das Albtal
Herbstwald beim Abstieg in das Albtal
An der Alb
An der Alb

Schließlich ging ich weiter und stieg hinab. Bald gelangte ich wieder auf einen Forstweg, doch dieser verlief wieder etwas aufwärts? Nun ja, doch bald neigte er sich wieder ins Tal hinab. Entlang des Kuhnsbachs wanderte ich in das Albtal. Der Bach plätscherte in seinem Bett, ein Schild lud mich ein, die Füße ins Wasser zu hängen. Dafür war es mir leider doch etwas zu frisch. Entlang des Quellenerlebnispfads erreichte ich wieder Bad Herrenalb. Inzwischen war hier gegenüber dem Morgen schon erheblich mehr Menschen unterwegs.

Aufforderung zum Kneippen
Aufforderung zum Kneippen
An der Alb
An der Alb
Skulptur im Kurpark in Bad Herrenalb
Skulptur im Kurpark in Bad Herrenalb

Auf dem Rückweg lief ich durch den Kurpark, der nach dem Ende der Landesgartenschau wieder frei zugänglich war: Hier wurde im Vorfeld der Gartenschau u. a. der Lauf der Alb renaturiert. Ich genoss die Strecke durch die Parkanlage, bevor es zurück zum Bahnhof ging. Insgesamt war ich doch 6½ Stunden unterwegs gewesen.

Fazit

Eine schöne und kurzweilige Wanderung, für die man Zeit mitbringen sollte, um die Sehenswürdigkeiten zu erkunden und die Landschaft auf sich wirken zu lassen. Unterwegs besteht die Möglichkeit zur Einkehr an der Talwiese und auf der Teufelsmühle. Trotz der wechselnden Markierung ist der Weg auch ohne Karte gut zu wandern, da an jeder größeren Kreuzung entsprechende Wegweiser stehen. Ich kann diese Tour uneingeschränkt weiterempfehlen.

Länge: 17,1 km, Anstieg: 625 m, Abstieg: 625 m

Karte